Hochsensibilität

Hochsensibiltät ist eine besonders ausgesprägte Begabung zu weiter, intensiver, feiner und differenzierter Wahrnehmung.

Etwa 5 bis 10 Prozent der Menschen gelten als hochsensibel. Manchmal ist ihr Gehirn allerdings nicht in der Lage, die dadurch entstehende Reizüberflutung angemessen zu verarbeiten. Bildhaft ausgedrückt fehlen dem hochsensiblen Menschen "Filter" und eine stabile "Haut", die vor zu vielen Einflüssen schützen.

So dünnhäutige Menschen verfügen zwar oft über ein reiches inneres Potenzial, können dieses aber nicht voll in ihr Leben integrieren, weil sie ständig damit beschäftigt sind, sich vor Reizen zu schützen und sich anzupassen. Nicht selten führt so ein Weg in Schüchternheit, emotionale Instabilität, nervliche Überforderung, Rückzug oder Unsicherheit und begünstigt zudem Stress und psychische Erkrankungen.

Die möglichen Erscheinungsformen von Hochsensibilität sind weit gefächert: Jeder Sinneseindruck kann stärker und damit detaillierter wahrgenommen werden. Häufig wird auch von höherer Intensität des Empfindens von Stimmungen der Mitmenschen berichtet.

Hochsensibilität kann sich sehr positiv äußern, z.B. durch eine vielschichtige, fundierte Wahrnehmung, durch erhöhte Differenziertheit und Reflexionsfähigkeit, durch Empathie, Gewissenhaftigkeit, Intuition, Feinfühligkeit, Kreativität und andere schätzenswerte Eigenschaften.

Häufig werden solche Eigenschaften jedoch überdeckt durch gleichzeitig vorhandene hemmende Faktoren wie zum Beispiel Überforderung, Überreizung, Stress, Überreaktionen, Angst, Rückzug, Schüchternheit. Viele hochsensible Menschen haben unbewusst oder bewusst diese Gabe unterdrückt, um den manchmal übergroßen Einflüssen nicht schutzlos ausgeliefert zu sein oder weil das berufliche oder private Umfeld einer sensiblen Lebensführung negativ gegenüber steht.

Auf Dauer kann eine Unterdrückung des Wesens und erzwungene Anpassung an die Umwelt zu psychischen oder physischen Symptomen wie z.B. Dauerstress, depressive Verstimmungen, Migräne, Rückenschmerzen oder Schlaflosigkeit führen.

Was tun?
  • Zunächst einmal geht es um Akzeptanz: "Ich bin ok, wie ich bin!"
  • Dann endet der Anpassungsdruck: "Ich will nicht sein wie ihr". "
  • Andere verlieren ihren Einfluss: "Ich muss mich nicht vergleichen".
  • Gesunden Umgang mit Gefühlen lernen: "Was fühle ich wirklich?"
  • Sich lieben lernen: "Es ist eine Gabe empfindsam zu sein".
  • Es ist gut sich zu schützen: "Ich lasse nicht alles an mich ran."
TEST: Sind Sie hochsensibel?

Die amerikanische Psychologin Elaine Aron erfasst mit Fragebögen, ob Menschen in ihrem Sinne „highly sensitive“ sind. Antworten Sie mit „zutreffend“, wenn die Aussagen zumindest teilweise zutreffen. „Unzutreffend“ steht für Aussagen, mit denen Sie sich kaum oder überhaupt nicht identifizieren.
  1. Ich fühle mich leicht überwältigt durch starke Sinneseindrücke.
  2. Offenbar habe ich eine feine Wahrnehmung für Unterschwelliges in meiner Umwelt.
  3. Die Stimmungen anderer Menschen beeinflussen mich.
  4. Ich reagiere eher empfindlich auf körperlichen Schmerz.
  5. Ich habe an geschäftigen Tagen das Bedürfnis, mich zurückzuziehen – entweder in ein dunkles Zimmer oder an einen anderen Ort, wo ich allein sein und mich von der Stimulation erholen kann.
  6. Auf Koffein reagiere ich heftiger als viele andere Menschen.
  7. Ich fühle mich schnell überwältigt von Dingen wie grelle Lichter, starke Gerüche, raue Textilien auf meiner Haut oder Martinshörner in meiner Nähe.
  8. Ich besitze ein reiches, vielschichtiges Innenleben.
  9. Laute Geräusche bereiten mir Unbehagen.
  10. Kunstvolle Musik bewegt mich tief.
  11. Manchmal liegen meine Nerven derart blank, dass ich nur noch alleine sein möchte.
  12. Ich bin ein gewissenhafter Mensch.
  13. Ich bin schreckhaft.
  14. Es bringt mich leicht aus der Fassung, wenn ich in kurzer Zeit viel erledigen muss.
  15. Wenn andere Menschen sich in einer Umgebung unwohl fühlen, weiß ich eher als manche andere, was notwendig ist, um Wohlbefinden herzustellen (zum Beispiel durch eine Veränderung der Beleuchtung oder der Sitzordnung).
  16. Ich werde ärgerlich, wenn man von mir erwartet, zu viele Dinge gleichzeitig zu tun.
  17. Ich gebe mir große Mühe, Fehler zu vermeiden oder Dinge nicht zu vergessen.
  18. Fernsehsendungen und Spielfilme mit Gewaltszenen meide ich.
  19. Ich fühle mich unangenehm erregt, wenn sich um mich herum viel abspielt.
  20. Hungergefühle stören nachhaltig meine Konzentration und beeinträchtigen meine Stimmung.
  21. Veränderungen in meinem Leben treffen mich sehr heftig.
  22. Ich bemerke und genieße feine Düfte, Geschmäcker, Klänge oder Kunstwerke.
  23. Ich empfinde es als unangenehm, wenn ich mich mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigen muss.
  24. Für mich ist es sehr wichtig, mein Leben so zu organisieren, dass ich Situationen vermeide, in denen ich mich ärgern muss oder die mich überwältigen.
  25. Laute Geräusche, chaotische Szenen und ähnliche starke Reize stören mich.
  26. Wenn ich mit anderen Menschen konkurrieren muss oder beobachtet werde, während ich eine Aufgabe erfülle, macht mich das so nervös und unsicher, dass ich weitaus schlechter abschneide, als ich eigentlich könnte.
  27. Als Kind haben meine Eltern und Lehrer mich als sensibel oder schüchtern angesehen.
Ergebnisse: Wenn Sie mehr als 14 Aussagen als zutreffend markiert haben, sind Sie wahrscheinlich eine Highly Sensitive Person. Sollte die Zahl zwar geringer sein, die betreffenden Aussagen aber in extremem Maße zutreffen, so könnten sie ebenfalls zu den betroffenen Menschen zählen.

Quelle: Elaine N. Aron auf ihrer Website http://www.hsperson.com/pages/test.htm