Der sensible Mann


Der "männliche" Mann.

Ist er stark, durchsetzungsfähig, triebgesteuert, rücksichtslos, egozentrisch, machtgetrieben?

Für mich nicht. Für mich ist ein männlicher Mann zu allererst ein Mensch, der auch zu seinen Gefühlen steht, der sie zeigt und ausdrücken kann und, vor allem, der keine Rollen spielt. Einer, der gerne spielt wie ein Kind, der zur Hingabe fähig ist und genießen kann. Einer, der Tränen in den Augen hat, wenn sie Schönes sehen und seine Rührung, wenn er etwas Berührendes erzählt, auch zeigt. Ein männlicher Mann darf ruhig schüchtern sein. Draufgänger und Eroberer schrecken mich wirklich ab. Wird er dadurch zum Softie? Nein, für mich nicht.


Der sensible Mann.

Ein männlicher Mann ist für mich ein sensibler Mann: Er nutzt und pflegt seine 12 Sinne. Er begegnet allen Menschen und natürlich mir als Frau, vor allem achtsam. Ein sensibler Mann kann einer Frau viel geben.
Bediene ich damit Klischees: Schwarz-weiß, gut-schlecht? Vielleicht, aber das macht es leichter über hochsensible Männer zu sprechen.

Hochsensibel zu sein empfinden auch Männer zunächst als belastend. Unsere Gesellschaft ist nicht besonders gut auf Menschen ausgelegt, die schnell überreizt sind, die eine starke Emotionalität und ein großes Harmoniebedürfnis haben. Hochsensible fühlen sich deshalb in einer Gesellschaft voller Normalsensibler leicht als Fremdkörper.

Besonders schwer fällt es Männern, mit ihrer Hochsensibilität umzugehen. Denn so fortschrittlich unsere Gesellschaft auch sein mag, sie hat noch immer stark festgelegte Geschlechterbilder.
Während es für Frauen gesellschaftlich akzeptiert ist, feinsinnig und empfindsam zu sein, sind diese Eigenschaften bei Männern verpönt.

Männer sollen immer noch eher cool, also unempfindlich sein. Stärke, Belastbarkeit, ein "dickes Fell" und Freude an (Wett-)Kämpfen sind nach landläufiger Meinung wünschenswerte und "normale" Eigenschaften für einen Mann. Hochsensible Männer verfügen über diese Eigenschaften weniger. Der sensible Mann hat es oft schwer, bei seinen Geschlechtsgenossen zu bestehen.

"Weichei", "Memme" oder "Frauenversteher" sind noch die harmloseren Beschimpfungen für Männer, die nicht dem Klischee vom harten Kerl entsprechen. Auch Frauen kommen nicht immer gut mit sensiblen Männern zurecht. Natürlich wünschen sich viele Frauen einen zärtlichen und einfühlsamen Mann. Trotzdem soll er doch "irgendwie" Beschützer sein, jemand zum Anlehnen. So altmodisch und überholt diese Rollenbilder klingen mögen: Wer zu stark vom typischen Geschlechterbild abweicht, spürt, welche Macht sie noch haben.

Alle hochsensiblen Menschen, besonders aber Männer, können dann in Frieden mit ihrer Besonderheit kommen, wenn sie sie als Gabe und Aufgabe begreifen. Unsere Gesellschaft braucht Männer, die ihre Emotionalität leben, die schon feine Schwingungen aufnehmen können und die Wert darauf legen, eine angenehme, harmonische Umgebung zu schaffen. Und sie braucht Männer, die Vorbild sind für Jungen. Die ihnen zeigen, dass Männlichkeit nicht bloß mit Härte gleichgesetzt werden kann.

Um solche Aufgaben leisten zu können, muss der hochsensible Mann seine besonderen Stärken erkennen und lernen, sie gezielt einzusetzen.

Eine Partnerin, die nicht bereit ist, mit einem hochsensiblen Mann zu leben, ist ganz sicher nicht die richtige für dich. Du bist nicht allein! Man geht davon aus, dass etwa zehn bis 15 Prozent der Menschen hypersensibel sind. Männer sind ebenso häufig zart besaitet wie Frauen. So "unnormal" kannst du also gar nicht sein!

Herzlichst
Anne

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