“Kein einziger unter den strengen Patres erkennt in all diesen Jahren Balzacs Geheimnis.
Sie sehen nur einen Schüler, der hinter den andern in Latein oder in Vokabelkenntnis zurückbleibt, und ahnen nicht sein ungeheuerliches Voraussehen.
Sie halten ihn für unachtsam, für gleichgültig, ohne zu bemerken, dass ihn die Schule langweilt und ermüdet, weil die Aufgaben, die sie stellt, ihm längst zu leicht sind, dass seine scheinbare Trägheit nur eine Erschöpfung ist von einer ‘congestion d’idées’ (Ideenandrang).
Keinem kommt in den Sinn, dass dieser pausbäckige kleine Junge mit seiner geistigen Flugkraft längst in anderen Räumen lebt als in dem stickigen Schulraum, dass dieser eine unter all denen, die an ihrem Sitzplatz sitzen und an ihrem Schlafplatz schlafen, ein unsichtbares Doppelleben führt.”
Stefan Zweig, Balzac
Lehrer, Schüler und der Rosenthal-Effekt
1965 gingen die Psychologen Robert Rosenthal und Leonore Jacobsen in zwei amerikanische Grundschulen und täuschten einen wissenschaftlichen Test vor.
Rund 20% der Schülerinnen und Schüler stünden kurz vor einem intellektuellen Entwicklungsschub, und diese sollten nun durch diesen wissenschaftlichen Test ermittelt werden.
In Wahrheit wurden aber nach einem Zufallsprinzip 20% der Kinder auserwählt, so dass die Lehrer nun bei einigen Kindern davon ausgingen, dass diese kurz vor ihrem intellektuellen Entwicklungsschub stünden und der IQ in den nächsten Monaten ansteigen würde.
Dieser Unterschied zwischen den „Aufblühern“ und den „normalen“ Kindern existierte jedoch nur in den Köpfen der Lehrerinnen und Lehrer.
Und was passierte mit dem IQ der Kinder in den nächsten Monaten?
Etwas erstauliches geschah: 45% der ausgewählten Kinder konnten innerhalb eines Jahres ihren Intelligenzquotienten (IQ) um 20 oder mehr Punkte steigern! Wenn man nun bedenkt, dass ein Kind mit einem IQ von 100 als „normal intelligent“ und ein Kind mit einem IQ > 130 als hochbegabt gilt, kann man über das Ergebnis dieses Experiments nur staunen. Bei gutaussehenden Schülern war die Steigerung des IQ besonders hoch…
Dieser Effekt ist als Rosenthal-Effekt oder Pygmalion-Effekt in die Geschichte eingegangen.
Was passiert wohl, wenn der Rosenthal-Effekt mit dem Halo-Effekt kombiniert wird? Gedankenspiel: Ein gutaussehender, höflicher Schüler trifft auf einen Lehrer, der auf Anhieb einen sehr positiven Eindruck von dem Jungen hat. Weitere positive Eigenschaften wie zum Beispiel Fleiß und Intelligenz werden dem Schüler unbewusst zugewiesen. Soweit zum Halo-Effekt. Nun befindet sich dieser Lehrer in einer ganz ähnlichen Situation, wie die Lehrer/innen der beiden Grundschulen, in denen Rosenthal und Jacobsen ihr Experiment durchführten.
Behandelt man einen Menschen, den man für fleißig und intelligent hält genauso wie einen Menschen, den man für faul und wenig intelligent hält? Natürlich nicht, und die vielen Kleinigkeiten wie Stärke von Lob und Tadel, Leistungsanforderungen und andere unterbewußt gesendete Signale sind es wohl, die dazu führen, dass sich die Erwartungen der Lehrer schließlich erfüllen.
Also Kids, macht Euren Lehrerinnen und Lehren plausibel, dass ihr fleißig, intelligent und leistungsbereit seid, dann sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schullaufbahn nicht die schlechtesten.
Quelle: Psychologie im Alltag http://psychologieimalltag.com/2011/10/04/lehrer-schuler-und-der-rosenthal-effekt/
Und was passierte mit dem IQ der Kinder in den nächsten Monaten?
Etwas erstauliches geschah: 45% der ausgewählten Kinder konnten innerhalb eines Jahres ihren Intelligenzquotienten (IQ) um 20 oder mehr Punkte steigern! Wenn man nun bedenkt, dass ein Kind mit einem IQ von 100 als „normal intelligent“ und ein Kind mit einem IQ > 130 als hochbegabt gilt, kann man über das Ergebnis dieses Experiments nur staunen. Bei gutaussehenden Schülern war die Steigerung des IQ besonders hoch…
Dieser Effekt ist als Rosenthal-Effekt oder Pygmalion-Effekt in die Geschichte eingegangen.
Was passiert wohl, wenn der Rosenthal-Effekt mit dem Halo-Effekt kombiniert wird? Gedankenspiel: Ein gutaussehender, höflicher Schüler trifft auf einen Lehrer, der auf Anhieb einen sehr positiven Eindruck von dem Jungen hat. Weitere positive Eigenschaften wie zum Beispiel Fleiß und Intelligenz werden dem Schüler unbewusst zugewiesen. Soweit zum Halo-Effekt. Nun befindet sich dieser Lehrer in einer ganz ähnlichen Situation, wie die Lehrer/innen der beiden Grundschulen, in denen Rosenthal und Jacobsen ihr Experiment durchführten.
Behandelt man einen Menschen, den man für fleißig und intelligent hält genauso wie einen Menschen, den man für faul und wenig intelligent hält? Natürlich nicht, und die vielen Kleinigkeiten wie Stärke von Lob und Tadel, Leistungsanforderungen und andere unterbewußt gesendete Signale sind es wohl, die dazu führen, dass sich die Erwartungen der Lehrer schließlich erfüllen.
Also Kids, macht Euren Lehrerinnen und Lehren plausibel, dass ihr fleißig, intelligent und leistungsbereit seid, dann sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schullaufbahn nicht die schlechtesten.
Quelle: Psychologie im Alltag http://psychologieimalltag.com/2011/10/04/lehrer-schuler-und-der-rosenthal-effekt/
Kreative Menschen schummeln eher
Kreativität hat auch Schattenseiten: Sie verleitet Menschen dazu, eher unehrlich zu sein. Warum originelle Köpfe zum Betrügen neigen, zeigen amerikanische Forscher in mehreren Experimenten - und im echten Leben.
Kreative Menschen gelten als Bereicherung der Gesellschaft. Ein Forscherpaar der Harvard University und der Duke University will nun die dunkle Seite von Kreativität entdeckt haben: In mehreren Versuchen konnten die Wissenschaftler Francesca Gino und Dan Ariely nicht nur zeigen, dass originelle Köpfe eher zum Schummeln neigen als weniger einfallsreiche.
Kreative Menschen gelten als Bereicherung der Gesellschaft. Ein Forscherpaar der Harvard University und der Duke University will nun die dunkle Seite von Kreativität entdeckt haben: In mehreren Versuchen konnten die Wissenschaftler Francesca Gino und Dan Ariely nicht nur zeigen, dass originelle Köpfe eher zum Schummeln neigen als weniger einfallsreiche.
Wie die Forscher im noch unveröffentlichten Fachmagazin "Journal of Personality and Social Psychology" berichten, konnten sie auch klären, welcher Mechanismus Kreativität mit Unehrlichkeit verbindet.
In einem ersten Experiment führten 79 Studenten zunächst am Computer Kreativitäts- und Intelligenztests aus. Auf diese Weise konnten die Forscher bestimmen, wie ausgeprägt die schöpferische Denkleistung der einzelnen Probanden ist. Anschließend wurden die Studenten gebeten, Aufgaben zu Wahrnehmung, zur Logik und zum Allgemeinwissen zu lösen. Für die Teilnahme an den Tests erhielten die Probanden Geld. Mit jeder richtigen Antwort konnten sie sich aber noch zusätzlich welches verdienen.
Kreativität verleitet, Intelligenz nicht
Im Anschluss an die Tests sollten sie die Anzahl der richtigen Antworten auf Papierbögen schreiben. Dabei gaben die Forscher den Studenten das Gefühl, sie würden nicht kontrollieren, ob die Angaben auf dem Papier mit der tatsächlichen Leistung in den Tests übereinstimmen. Über ein verstecktes Codiersystem konnten die Forscher allerdings im Nachhinein ermitteln, ob jemand ehrlich war.
In einem ersten Experiment führten 79 Studenten zunächst am Computer Kreativitäts- und Intelligenztests aus. Auf diese Weise konnten die Forscher bestimmen, wie ausgeprägt die schöpferische Denkleistung der einzelnen Probanden ist. Anschließend wurden die Studenten gebeten, Aufgaben zu Wahrnehmung, zur Logik und zum Allgemeinwissen zu lösen. Für die Teilnahme an den Tests erhielten die Probanden Geld. Mit jeder richtigen Antwort konnten sie sich aber noch zusätzlich welches verdienen.
Kreativität verleitet, Intelligenz nicht
Im Anschluss an die Tests sollten sie die Anzahl der richtigen Antworten auf Papierbögen schreiben. Dabei gaben die Forscher den Studenten das Gefühl, sie würden nicht kontrollieren, ob die Angaben auf dem Papier mit der tatsächlichen Leistung in den Tests übereinstimmen. Über ein verstecktes Codiersystem konnten die Forscher allerdings im Nachhinein ermitteln, ob jemand ehrlich war.
IQ-Tests schaffen Ungerechtigkeit
Intelligentere Menschen bringen nicht deshalb höhere Leistungen, weil sie klüger sind. Sie erhalten lediglich einen besseren Zugang zu wichtigen Ressourcen.
Zu diesem Ergebnis kam ein Team von Forschern der Rotterdam School of Management in dem Fachmagazin „Research in Organizational Behavior“. Vor allem in der westlichen Welt entscheiden Auswahltests ab der Grundschule über den Zugang zu wichtigen Ressourcen, etwa modernen Universitäten oder motivierten Fachleuten.
Zu diesem Ergebnis kam ein Team von Forschern der Rotterdam School of Management in dem Fachmagazin „Research in Organizational Behavior“. Vor allem in der westlichen Welt entscheiden Auswahltests ab der Grundschule über den Zugang zu wichtigen Ressourcen, etwa modernen Universitäten oder motivierten Fachleuten.
In den Niederlanden werden beispielsweise bereits elfjährige Schüler vor den sogenannten „Cito“-Test gestellt. Dieser wirkt sich maßgeblich auf die Entscheidung aus, ob ein Schüler später eine Berufsausbildung oder ein Hochschulstudium antritt.
Wer solche Hürden zu Beginn nicht nimmt, hat es im Laufe seines Lebens immer schwerer, mit den Privilegierten mitzuhalten. Weder ist das Geld für teuren Nachhilfeunterricht vorhanden noch die Zeit für die eigene Weiterbildung, da man schon mitten im Berufsleben steht. So wächst eine Kluft zwischen denen, die bei formalen Intelligenztests gut abschneiden, und denen, die mit solchen Verfahren nicht zurechtkommen. Was für einen Arbeitgeber letztendlich zählt, nämlich die Arbeitsleistung, kann so nicht immer richtig eingeschätzt werden.
Untersuchungen aus anderen Kulturkreisen, wie etwa dem Mittleren Osten, werten das Verhältnis zwischen IQ und Arbeitsleistung schwächer, teilweise sogar negativ. Der Erfolg im Beruf hänge hier weniger von Testergebnissen ab, da diese nicht so verbreitet seien wie in der westlichen Welt.
Schön erzählte Geschichte von Hochbegabung:
„Die Eleganz des Igels“ erzählt die Geschichte der Pariser Concierge Renée, die eine solche Camouflage, wie oben beschrieben, zur Perfektion gebracht hat. Niemand kommt in dem feinen Pariser Mietshaus in der Rue de Grenelle 7 auf die Idee, dass Renée etwas anderes sein könnte als jene mittelalterliche und leicht tumb wirkende Concierge, die den ganzen Tag den Fernseher laufen lässt und in ihrem Verschlag sitzt, um die Mieter und Besucher des Hauses zu kontrollieren und zu schikanieren.
In Wirklichkeit ist Renée aber eine leidenschaftliche Autodidaktin. Wenn Sie etwas in ihrem Conciergen-Leben hat, dann ist es Zeit, und diese Zeit nutzte Renée schon immer zum Lesen. So ist sie nicht nur politisch sehr interessiert und hat Marx und all die anderen wichtigen Theoretiker gelesen, auch die russischen Klassiker wie Tolstoi und natürlich die großen Philosophen. Niemand durchschaut dieses Versteckspiel – niemand außer der kleinen Paloma:
„Madame Michel besitzt die Eleganz eines Igels: Außen ist sie mit Stacheln gepanzert, eine echte Festung, aber ich ahne vage, dass sie innen auf genauso einfache Art raffiniert ist wie die Igel, diese kleinen Tiere, die nur scheinbar träge, entschieden ungesellig und schrecklich elegant sind.“
Paloma ist das hochbegabte Kind reicher, aber sehr beschäftigter Eltern. Die Karriere steht immer im Vordergrund, und Paloma lernt schon früh, dass das Leben der Erwachsenen eine einzige Katastrophe ist. Und nur „von Zeit zu Zeit nehmen sich die erwachsenen offenbar Zeit, sich hinzusetzen und die Katastrophe zu betrachten, die ihr Leben ist. Sie jammern dann, ohne zu verstehen, und wie Fliegen, die immer gegen die gleiche Scheibe stoßen, werden sie unruhig, sie leiden, verkümmern, sind deprimiert und fragen sich, welches Räderwerk sie dorthin geführt hat, wohin sie gar nicht wollten.“
Erstaunlich nüchterne Erkenntnisse für eine Zwölfjährige. Pamela beschließt, in wenigen Monaten Selbstmord zu begehen und vorher das Haus anzuzünden. Gleichzeitig finden sie es gut, noch ein paar tiefgründige Gedanken zu haben, die sie aufschreiben und der Nachwelt hinterlassen möchte.
http://www.belletristiktipps.de/archives/798
Hochbegabung ist ein statisches Konstrukt
Hochbegabung am Intelligenzwert festmachen zu wollen ist extrem fragwürdig, meint die Entwicklungspsychologin Ulrike Stedtnitz. Denn: "Hochbegabung ist ein statisches Konstrukt. Wir müssen das dynamisieren. Menschliche Entwicklung ist ein Prozess."
Bildung und Begabung: Treibhäuser der Gesellschaft II from Stifterverband on Vimeo.
Hochbegabte – die vergessene Ressource
In Deutschland gibt es circa 1,2 Millionen Hochbegabte. Manche wissen gar nicht, dass sie hochbegabt sind. Andere wiederum ziehen es lieber vor nicht aufzufallen. Denn "Klugscheißer" sieht keiner gerne. Ein Fehler, weiß Karin Rasmussen, Coach für Hochbegabte. Denn die Unternehmen täten gut daran, diese wertvolle Ressource richtig auszuschöpfen – wie, verrät sie im Interview.
Haufe Online-Redaktion: Was unterscheidet Hochbegabte von "gewöhnlichen" Mitarbeitern?
Karin Rasmussen: Hochbegabte sind keine ungewöhnlichen Mitarbeiter. Was sie jedoch von anderen unterscheidet, ist ihre Denkweise. Sie können schneller und komplexer mit Informationen umgehen, sie meistens auch tiefgründiger und genauer verarbeiten. Hinzu kommt, dass sie andere Gedächtnistechniken nutzen. Sie denken in der Regel sehr assoziativ und verknüpfen Informationen stärker miteinander. Überdurchschnittlich intelligente Menschen nehmen also nicht nur weitaus mehr wahr als andere, sie lernen zugleich auch schneller.
Haufe Online-Redaktion: Inwiefern können sich aufgrund der Schnelligkeit ihrer Denkprozesse auch Fehler einschleichen?
Rasmussen: Hier handelt es sich um ein weit verbreitetes Klischee. Das Motto "Du denkst zuviel, deshalb denkst du falsch" stimmt so nicht. Fehler sind de facto keine Frage des Tempos, sondern der Qualität der Informationen. Auch der Bildungshintergrund spielt hierbei eine wichtige Rolle. Schneller zu Lösungen zu kommen, bringt nicht sehr viel, wenn es einem am fachlichen Hintergrund mangelt. Hochbegabung allein reicht letztlich nicht aus, um erfolgreich zu sein. Bildung ist das A und O. Aber Vorsicht: Intelligenz ist zu großen Teilen genetisch bedingt und kann nicht künstlich erzeugt werden. Man kann lediglich die vorhandene Intelligenz durch Bildung fördern.
Haufe Online-Redaktion: Welche weiteren Klischees erschweren den richtigen Umgang mit Hochbegabten?
Rasmussen: Besonders hartnäckig hält sich die Annahme, dass ein hoher Intelligenzquotient zugleich Klugheit bedeutet. Klugheit hängt aber vor allem von der Bildung ab und beides zusammen genommen, ist sehr zeitbezogen. Leonardo da Vinci war beispielsweise wegen seiner Hubschrauber-Entwürfe als Spinner verschrien. Das heißt, Ideen, die heute nicht als klug gelten, müssen noch lange nicht falsch oder gar dumm sein. Da Vinci war schlicht seiner Zeit voraus. Des Weiteren ist es ein gängiges Vorurteil, dass Hochbegabte immer Schwierigkeiten haben. Dies stimmt nicht. Studien haben gezeigt, dass lediglich zehn Prozent von ihnen im Laufe ihres Lebens Probleme haben. Überdurchschnittlich intelligente Menschen sind somit keinesfalls eine Problemgruppe, vielmehr eine vergessene Ressource, die wir bisher unzureichend nutzen. Das betrifft besonders die Generation, die jetzt über 30 ist.
Haufe Online-Redaktion: Warum gerade diese Altersgruppe?
Rasmussen: Zu der Zeit als sie jung waren, gab es noch keine spezielle Förderung von Hochbegabten. Viele wissen teilweise bis heute nicht, dass sie hochbegabt sind. Hinzu kommt, dass Kinder häufig dazu erzogen wurden, fleißig ihre Aufgaben zu machen und sonst nicht aufzufallen. In letzter Konsequenz ist vieles auch eine Frage der Erziehung.
Haufe Online-Redaktion: Wie sollten Personaler nun mit Hochbegabten konkret umgehen?
Rasmussen: Ich glaube, dass Hochbegabte keine besondere Behandlung bräuchten, wenn wir es endlich schaffen würden, jeden Mitarbeiter ernst zu nehmen. Doch davon sind wir noch weit entfernt. Bei uns zählt nach wie vor eine Bildungshierarchie, in der jemand mit einem Hochschulabschluss mehr Wert ist als jemand mit einer Berufsausbildung. Fatal daran: Der Abschluss sagt de facto wenig über den Menschen aus, den ich vor mir habe. Wie geht er zum Beispiel mit Problemen um? Was will er wirklich erreichen? Das bekommt man nur mit, wenn man ein ernstes Interesse an dem Menschen zeigt und ihm genau zuhört.
Haufe Online-Redaktion: Apropos Anerkennung… Ist Hochbegabten dies besonders wichtig?
Rasmussen: Hochbegabte Mitarbeiter brauchen nicht mehr Anerkennung als andere. Entscheidend ist, dass sie überhaupt welche bekommen. Die erhalten sie noch zu wenig. Da sie mehr leisten als andere, sollte man dies auch entsprechend würdigen. Dazu gehört vor allem, dass man akzeptiert, dass Hochbegabte sich weiterentwickeln wollen. Sie mögen letztlich keine Routine-Tätigkeiten – im Gegenteil: Sie suchen bewusst die Abwechslung und Herausforderung. Sie um jeden Preis im Unternehmen zu halten beziehungsweise sie in Positionen zu drängen, in denen sie nicht glücklich werden, ist somit der falsche Weg.
Haufe Online-Redaktion: Gibt es bestimmte Tätigkeitsfelder, in denen Hochbegabte am besten aufgehoben sind?
Rasmussen: Ja, überall dort, wo es darum geht, etwas zu erforschen und Neues zu erfinden oder aus dem vorhandenen Wissen etwas Neuartiges zu entwickeln, sei es beispielsweise in der Forschung & Entwicklung, als Manager eines Start-up-Unternehmens oder als IT-Programmierer. Hauptsache, man kann seinen Wissensdurst und seine Experimentierfreude frei ausleben. Sinnvoll sind auch so genannte "Kritik-Jobs", wo es darauf ankommt, Lücken im System zu finden, wie zum Beispiel im Qualitätsmanagement, in der Risikoanalyse oder in der Unternehmensberatung.
Haufe Online-Redaktion: Was wäre Ihrer Meinung nach der größte Fehler, den Personalentwickler unbedingt vermeiden sollten?
Rasmussen: Wenn ein Mitarbeiter eigene Ideen und Vorschläge zu seiner Weiterentwicklung hat, sollte man genau zuhören. Da alle Unternehmen gegenwärtig und erst Recht in Zukunft massive Veränderungsprozesse durchlaufen, ist ein aktuell oder kurzfristig gültiger "Stellenplan" nicht das Ende der Weisheit. Es ist besser, im eigenen Unternehmen einen zukunftsträchtigen Arbeitsplatz zu finden beziehungsweise zu schaffen, als ständig über zunehmenden Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt zu klagen.
Das Interview führte Nicole Schrehardt.
Dr. Karin Rasmussen ist seit vielen Jahren als Dozentin, Trainerin und Beraterin in zahlreichen Projekten und Kursen zur Führungskräfteentwicklung für die Wirtschaft tätig. Darüber hinaus engagiert sie sich als Mitglied und Testleiterin bei Mensa in Deutschland e.V. auch für die Förderung von Hochbegabten.
Quelle: http://www.haufe.de/personal//newsDetails?newsID=1322483996.53&chorid=00560203
Haufe Online-Redaktion: Was unterscheidet Hochbegabte von "gewöhnlichen" Mitarbeitern?
Karin Rasmussen: Hochbegabte sind keine ungewöhnlichen Mitarbeiter. Was sie jedoch von anderen unterscheidet, ist ihre Denkweise. Sie können schneller und komplexer mit Informationen umgehen, sie meistens auch tiefgründiger und genauer verarbeiten. Hinzu kommt, dass sie andere Gedächtnistechniken nutzen. Sie denken in der Regel sehr assoziativ und verknüpfen Informationen stärker miteinander. Überdurchschnittlich intelligente Menschen nehmen also nicht nur weitaus mehr wahr als andere, sie lernen zugleich auch schneller.
Haufe Online-Redaktion: Inwiefern können sich aufgrund der Schnelligkeit ihrer Denkprozesse auch Fehler einschleichen?
Rasmussen: Hier handelt es sich um ein weit verbreitetes Klischee. Das Motto "Du denkst zuviel, deshalb denkst du falsch" stimmt so nicht. Fehler sind de facto keine Frage des Tempos, sondern der Qualität der Informationen. Auch der Bildungshintergrund spielt hierbei eine wichtige Rolle. Schneller zu Lösungen zu kommen, bringt nicht sehr viel, wenn es einem am fachlichen Hintergrund mangelt. Hochbegabung allein reicht letztlich nicht aus, um erfolgreich zu sein. Bildung ist das A und O. Aber Vorsicht: Intelligenz ist zu großen Teilen genetisch bedingt und kann nicht künstlich erzeugt werden. Man kann lediglich die vorhandene Intelligenz durch Bildung fördern.
Haufe Online-Redaktion: Welche weiteren Klischees erschweren den richtigen Umgang mit Hochbegabten?
Rasmussen: Besonders hartnäckig hält sich die Annahme, dass ein hoher Intelligenzquotient zugleich Klugheit bedeutet. Klugheit hängt aber vor allem von der Bildung ab und beides zusammen genommen, ist sehr zeitbezogen. Leonardo da Vinci war beispielsweise wegen seiner Hubschrauber-Entwürfe als Spinner verschrien. Das heißt, Ideen, die heute nicht als klug gelten, müssen noch lange nicht falsch oder gar dumm sein. Da Vinci war schlicht seiner Zeit voraus. Des Weiteren ist es ein gängiges Vorurteil, dass Hochbegabte immer Schwierigkeiten haben. Dies stimmt nicht. Studien haben gezeigt, dass lediglich zehn Prozent von ihnen im Laufe ihres Lebens Probleme haben. Überdurchschnittlich intelligente Menschen sind somit keinesfalls eine Problemgruppe, vielmehr eine vergessene Ressource, die wir bisher unzureichend nutzen. Das betrifft besonders die Generation, die jetzt über 30 ist.
Haufe Online-Redaktion: Warum gerade diese Altersgruppe?
Rasmussen: Zu der Zeit als sie jung waren, gab es noch keine spezielle Förderung von Hochbegabten. Viele wissen teilweise bis heute nicht, dass sie hochbegabt sind. Hinzu kommt, dass Kinder häufig dazu erzogen wurden, fleißig ihre Aufgaben zu machen und sonst nicht aufzufallen. In letzter Konsequenz ist vieles auch eine Frage der Erziehung.
Haufe Online-Redaktion: Wie sollten Personaler nun mit Hochbegabten konkret umgehen?
Rasmussen: Ich glaube, dass Hochbegabte keine besondere Behandlung bräuchten, wenn wir es endlich schaffen würden, jeden Mitarbeiter ernst zu nehmen. Doch davon sind wir noch weit entfernt. Bei uns zählt nach wie vor eine Bildungshierarchie, in der jemand mit einem Hochschulabschluss mehr Wert ist als jemand mit einer Berufsausbildung. Fatal daran: Der Abschluss sagt de facto wenig über den Menschen aus, den ich vor mir habe. Wie geht er zum Beispiel mit Problemen um? Was will er wirklich erreichen? Das bekommt man nur mit, wenn man ein ernstes Interesse an dem Menschen zeigt und ihm genau zuhört.
Haufe Online-Redaktion: Apropos Anerkennung… Ist Hochbegabten dies besonders wichtig?
Rasmussen: Hochbegabte Mitarbeiter brauchen nicht mehr Anerkennung als andere. Entscheidend ist, dass sie überhaupt welche bekommen. Die erhalten sie noch zu wenig. Da sie mehr leisten als andere, sollte man dies auch entsprechend würdigen. Dazu gehört vor allem, dass man akzeptiert, dass Hochbegabte sich weiterentwickeln wollen. Sie mögen letztlich keine Routine-Tätigkeiten – im Gegenteil: Sie suchen bewusst die Abwechslung und Herausforderung. Sie um jeden Preis im Unternehmen zu halten beziehungsweise sie in Positionen zu drängen, in denen sie nicht glücklich werden, ist somit der falsche Weg.
Haufe Online-Redaktion: Gibt es bestimmte Tätigkeitsfelder, in denen Hochbegabte am besten aufgehoben sind?
Rasmussen: Ja, überall dort, wo es darum geht, etwas zu erforschen und Neues zu erfinden oder aus dem vorhandenen Wissen etwas Neuartiges zu entwickeln, sei es beispielsweise in der Forschung & Entwicklung, als Manager eines Start-up-Unternehmens oder als IT-Programmierer. Hauptsache, man kann seinen Wissensdurst und seine Experimentierfreude frei ausleben. Sinnvoll sind auch so genannte "Kritik-Jobs", wo es darauf ankommt, Lücken im System zu finden, wie zum Beispiel im Qualitätsmanagement, in der Risikoanalyse oder in der Unternehmensberatung.
Haufe Online-Redaktion: Was wäre Ihrer Meinung nach der größte Fehler, den Personalentwickler unbedingt vermeiden sollten?
Rasmussen: Wenn ein Mitarbeiter eigene Ideen und Vorschläge zu seiner Weiterentwicklung hat, sollte man genau zuhören. Da alle Unternehmen gegenwärtig und erst Recht in Zukunft massive Veränderungsprozesse durchlaufen, ist ein aktuell oder kurzfristig gültiger "Stellenplan" nicht das Ende der Weisheit. Es ist besser, im eigenen Unternehmen einen zukunftsträchtigen Arbeitsplatz zu finden beziehungsweise zu schaffen, als ständig über zunehmenden Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt zu klagen.
Das Interview führte Nicole Schrehardt.
Dr. Karin Rasmussen ist seit vielen Jahren als Dozentin, Trainerin und Beraterin in zahlreichen Projekten und Kursen zur Führungskräfteentwicklung für die Wirtschaft tätig. Darüber hinaus engagiert sie sich als Mitglied und Testleiterin bei Mensa in Deutschland e.V. auch für die Förderung von Hochbegabten.
Quelle: http://www.haufe.de/personal//newsDetails?newsID=1322483996.53&chorid=00560203
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