Schön erzählte Geschichte von Hochbegabung:


„Die Eleganz des Igels“ erzählt die Geschichte der Pariser Concierge Renée, die eine solche Camouflage, wie oben beschrieben, zur Perfektion gebracht hat. Niemand kommt in dem feinen Pariser Mietshaus in der Rue de Grenelle 7 auf die Idee, dass Renée etwas anderes sein könnte als jene mittelalterliche und leicht tumb wirkende Concierge, die den ganzen Tag den Fernseher laufen lässt und in ihrem Verschlag sitzt, um die Mieter und Besucher des Hauses zu kontrollieren und zu schikanieren.

In Wirklichkeit ist Renée aber eine leidenschaftliche Autodidaktin. Wenn Sie etwas in ihrem Conciergen-Leben hat, dann ist es Zeit, und diese Zeit nutzte Renée schon immer zum Lesen. So ist sie nicht nur politisch sehr interessiert und hat Marx und all die anderen wichtigen Theoretiker gelesen, auch die russischen Klassiker wie Tolstoi und natürlich die großen Philosophen. Niemand durchschaut dieses Versteckspiel – niemand außer der kleinen Paloma:

„Madame Michel besitzt die Eleganz eines Igels: Außen ist sie mit Stacheln gepanzert, eine echte Festung, aber ich ahne vage, dass sie innen auf genauso einfache Art raffiniert ist wie die Igel, diese kleinen Tiere, die nur scheinbar träge, entschieden ungesellig und schrecklich elegant sind.“

Paloma ist das hochbegabte Kind reicher, aber sehr beschäftigter Eltern. Die Karriere steht immer im Vordergrund, und Paloma lernt schon früh, dass das Leben der Erwachsenen eine einzige Katastrophe ist. Und nur „von Zeit zu Zeit nehmen sich die erwachsenen offenbar Zeit, sich hinzusetzen und die Katastrophe zu betrachten, die ihr Leben ist. Sie jammern dann, ohne zu verstehen, und wie Fliegen, die immer gegen die gleiche Scheibe stoßen, werden sie unruhig, sie leiden, verkümmern, sind deprimiert und fragen sich, welches Räderwerk sie dorthin geführt hat, wohin sie gar nicht wollten.“

Erstaunlich nüchterne Erkenntnisse für eine Zwölfjährige. Pamela beschließt, in wenigen Monaten Selbstmord zu begehen und vorher das Haus anzuzünden. Gleichzeitig finden sie es gut, noch ein paar tiefgründige Gedanken zu haben, die sie aufschreiben und der Nachwelt hinterlassen möchte.

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