Trauer oder Jubel über Hochbegabung?


Wie sind Sie mit der Trauer umgegangen, als Sie von Ihrer Hochbegabung erst spät im Leben erfahren haben?

Oder haben Sie diese Trauer gar nicht empfunden? Kennen Sie nicht das Gefühl, das halbe Leben in den Sand gesetzt zu haben? Grübeln Sie über verpasste Chancen? Denken Sie: Diese Hilflosigkeit und Verzweiflung in so vielen Situationen hätte nicht empfunden werden müssen, wenn man es früher gewusst hätte.

Nein, ich rede hier nicht von Selbstmitleid. Ich meine das Gefühl, dass man das Leben sehr viel intensiver und anders hätte leben können. Viele erlebe es als einen Verlust von etwas, was sie schon immer gefühlt hatten, aber nicht konkretisieren konnten.
Oder überlagert das erleichternde Aufatmen die Trauer, weil man den Grund endlich kennt?
Ist in Ihnen viel mehr Jubel und Befreiung und damit Freude das vorherrschende Gefühl?

Kommentare:

  1. Hallo Anne,

    sehr interessante Frage. Erst dachte ich, es gäbe für mich nichts zu trauern. Denn ich habe die Zeit gebraucht, um zu reifen. Vielleicht auch nur, um endlich anfangen können, zu reifen :-)

    Ich war aber auch nie derjenige, der depressiv war. Ich war eher der, der seine Überlegenheit dort ausgenutzt hat, wo sie vorhanden war und sich auf der anderen Seite um seine Schwächen gedrückt hat.

    Ich habe selbst mehr zerdeppert, als ich zerdeppert wurde. Doch, wenn ich's so betrachte, trauere ich doch etwas nach. Den verpassten Chancen, fair und hilfreich zu anderen zu sein. Ich glaube, ich konnte Leute gut in meinen Bann ziehen und sie dann in meiner Sprunghaftigkeit mit grenzenloser Naivität und Unbefangenheit fallen lassen.

    Wirtschaftlich habe ich Chancen verpasst, weil ich erst spät meine Aufmerksamkeit auf diesen Bereich gelenkt habe. Aber schlecht ging's mir ja nie. Teils auch Dank anderer.

    Ich trauere also doch irgendwie der Reife nach, die ich früher hätte haben sollen. Und ich bewältige die Trauer, indem ich mir bewusst mache, dass ich ohne diese lange Zeit des Trudelns nicht mal das bisschen Reife von heute hätte erreichen können.

    Denn jede frühere Beeinflussung, jedes Lenken, hätte verhindert, dass ich ich bleibe. Glaube ich jedenfalls. Irgendwie bewältige die Trauer also, indem ich weiß, dass ich nur dadurch irgendwann die Chance habe, das Beste draus zu machen. Irgendwann.

    Ich trauere viel mehr schon jetzt um die Zeit, die ich noch brauchen werde ... Jetzt, so ohne die Unbefangenheit.

    Liebe Grüße
    Bernd

    AntwortenLöschen
  2. ich hab auch im bewusstsein begabt bzw. besonders zu sein, vieles nicht hingekriegt.

    hb zu sein bedeutet mir annähernd nix.

    von daher spüre ich auch keine erleichterung, im gegenteil. ich habe die erfahrung gemacht, dass derartige floskeln nur abstand schaffen. wenn mir jemand sagt, Du bist doch hb ... dreht sich mir immer der magen um.

    das liegt daran, dass diese menschen zuvor sowas wie angst hatten und ab einer definition sonderlich beruhigt sind. sobald man in einer schublade ist, scheint man weniger angst zu machen, was aber auch entwicklungspotenzial raubt - und meist auf abstand hält. und falls nicht, ist das dann aufbegrachte interesse meist irgendwie "falsch" ... plötzlich gehts nicht um mich als mensch und sei es auch die reibung - es geht um ein bild von etwas ...

    aus meiner sicht gehts nicht um hb, sondern integration. ich wage zu behaupten, dass sich in dieser welt die meisten menschen wie aliens vorkommen... einige merkens halt schneller, das was nicht stimmt.

    es ist nicht schlimm erst spät zu bemerken begabt oder besonders zu sein, die sauerei ist, dass dies in der regel den menschen abgesprochen wird. auch ohne hb sind jegliche ziele erreichbar... warum sollten ziele leichter erreichbar sein, wenn man sich seiner hb bewusst ist? als qualitätssiegel?

    aufgrund des gefühls was anderes zu sein, andere wahrnehmungen und werte zu haben - nicht dazu zu gehören bzw. dürfen - kann ich mir vorstellen, was es bedeuten kann, irgendwann die diagnose hb zu bekommen und darüber erfreut zu sein. plötzlich heisst es: Du kannst weit mehr ... Dir ist alles möglich ... usw. - nur, bei wem ist das eigentlich nicht so? ... und, sollten nicht alle menschen in einem eher FÖRDERLICHEN umfeld sein?

    AntwortenLöschen
  3. Bei mir gab es beide Phasen – zunächst, nach dem ersten Test (Günther Jauch, im Fernsehen, dabei einen IQ erreicht, der weit höher war, als derjenige der Studioteilnehmer) war ich bei der Auswertung ein einziger Jubelschrei. Der Jubel, irgendwas gewonnen zu haben, etwas zu können, gut gemeistert zu haben, besser als jeder andere. Mein Mann war damals empört, wie ich über so was erfreut sein könnte, denn schließlich sei es ja keine Leistung, einen hohen IQ zu haben. Abgesehen davon war er sich sicher, dass das Ergebnis verkehrt sein müsste, denn schließlich sei ich ja im Alltag „extrem begriffsstutzig“, jedenfalls perfekt im Aneinander-Vorbeireden.

    Danach habe ich mich mit dem Thema erst beschäftigt und gesehen, was es wirklich bedeutet, was Hochbegabung ist, wer so alles hochbegabt ist, dass man ein Geschenk hat, eine Gabe, die man nutzen sollte, dass man eigentlich die Verantwortung damit übertragen bekommen hat, etwas Spezielles zu leisten. Mir wurde bewusst, dass ein Haufen der Probleme, die ich hatte, für Hochbegabte absolut typisch sind. Und ich habe überlegt, an wie vielen Weggabelungen ich einfach den leichteren und letztendlich vielleicht verkehrten Weg gegangen bin. Dass mein Leben stinknormal und unerfreulich war, dass es ganz anders hätte sein können, wenn ich doch nur gewusst hätte… Wenn doch nur mein Vater nicht immer gesagt hätte: Du fällst doch sowieso durch (was niemals auch nur entfernt gestimmt hat, da ich immer gut war), wenn mir irgendwer gesagt hätte, dass ich durchaus in der Lage gewesen wäre, Größeres zu leisten. Ich war die ganze Zeit am Hadern, mit dem Schicksal, mit mir, mit meinen Eltern, mit meinem Mann.

    Letztendlich hat das alles auch irgendwie zu meiner Trennung geführt. Da stand ich wieder an einem Punkt, wo ich, gemäß Jürgen vom Scheidt wie Phönix aus der Asche auferstehen und dann etwas ganz Besonderes tun sollte. Tja. Das ganz Besondere habe ich bis jetzt noch nicht gefunden, irgendetwas Großartiges habe ich bislang nicht geleistet und bin auch nicht dahin unterwegs. Man kann halt auch nicht aus seiner Haut heraus. So lange war ich ein kleines Lichtchen. Wie sollte ich da plötzlich eine strahlende Sonne sein?

    Immerhin habe ich mich nun mit der Hochbegabung (die später bei Mensa bestätigt wurde, wenn auch nicht mit dem herausragenden Ergebnis der TV-Sendung) ausgesöhnt, weiß, dass es so ist, kann einiges drauf schieben, an anderem bin ich selber schuld, oder habe es so gewählt, und damit kann ich auch leben. Die überschwängliche Freude und auch die Trauer über das Verpasste, unwiderbringlich falsch Verlaufene habe ich auch überwunden.

    Bei meinen Kindern habe ich es dann andersherum gemacht, und ihnen erklärt, dass sie diese „Gabe“ eben haben. Sie finden das gar nicht toll, versuchen durchschnittlich oder noch unterdurchschnittlich zu sein, um nicht anders als die anderen zu wirken, lehnen alles, was mit Beschäftigungen für intelligente Kinder/Jugendliche zu tun hat, aus tiefstem Herzen ab und finden andere hochbegabte Kinder ganz besonders blöd.

    Auch nicht richtig gelaufen, würde ich sagen. Ich sehe die ganze Zeit die Verschwendung ihres Talents und ärgere mich, als wäre es mein eigenes Leben. Hilft nix, das wollen sie nicht hören. Und ich fürchte, ich kann an ihnen auch nicht das wiedergutmachen, was in meinem eigenen Leben schief gelaufen ist. Vielleicht soll es ja gerade so sein, und mein Leben ist nicht schief gelaufen, sondern so, wie es für mich am besten ist. Und vielleicht ist es bei meinen Kindern auch so. Irgendwann. Von hinten betrachtet. In zig Jahren. Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber man muss es vorwärts leben.

    AntwortenLöschen
  4. ich meinte nicht, dass hbs ihre prägungen unbedingt schneller erkennen - wohl aber ihr unwohlsein gegenüber gesellschaftlicher formen von informationen und derer vermittlung, bildung, förderung usw. - genau hier ist die sensibilität höher, natürlicher. glaubenssätze, kann ich mir vorstellen, sind höher intelligenteren lebensformen, wahrscheinlich verborgener als rein instinktiven :-)

    Ich habe auch getrauert, ich war wütend und ich bin durch all diese Emotionen durchgegangen und ich weiß nicht, ob ich schon durch bin. Nur das wie hat sich verändert, es ist jetzt sanfter und zeitnaher.

    Ich habe für mich erkannt, dass ich mir das Staunen bewahrt habe, den Funken Hoffnung und immer wieder das Hinterfragen, ob es andere nervt oder nicht. Das ist nur dadurch möglich geworden, weil ich so oft „auf die Nase gefallen bin“ und weil ich oft so bin, wie ich bin.

    Trauer, Sehnsucht, Wehmut, sie könnten sogar eine Art Motor sein, etwas neues zu suchen?, besser zu finden, den Finden macht doch viel mehr Spaß. Und ich glaube sogar, das jeder bei so einer Erkenntnis trauert, nur dass diese bei jedem sich anders zeigt und nicht immer als Trauer wahrgenommen wird.

    Trauer empfinde ich als wichtig, sie löst Tränen in dir, von denen du vielleicht nicht mal wusstest. Ich spreche gerne in Bildern, deshalb Frage: Ist da nicht ein lachendes und ein weinendes Auge? Lachen und Weinen sind so nahe beieinander. Es gibt Menschen die Lachen, wenn sie traurig sind und es gibt Menschen, die Weinen vor Glück. Ich habe mal ein Buch über Tränen gelesen, war fast wissenschaftlich, in Form von „Wissen schaffend“

    AntwortenLöschen
  5. Ich bin noch in der Phase der Verwirrung und Wut. Eure Fragen lassen mich nachdenken über mögliche Antworten.

    Nein, ich wäre mit Sicherheit nicht so wie ich heute bin.... aber bis neulich war ich auch nicht wirklich zufrieden. Dieser ewige elendige Kampf, der meine ganze Energie beansprucht hat. Er wäre mir erspart geblieben. Diese vielen Depressionen hätten nicht sein brauchen.

    Seit neulich spüre ich endlich die Gelassenheit und Erleichterung, die ich immer irgendwo gesucht hatte und nie gefunden hatte – außer auf dem Berg oder in der Musik.

    Ja, der Motor ist nun wieder angeworfen und es gilt sicher Glaubenssätze zu modifizieren.

    Nur kann man tatsächlich noch richtig trauern, wenn man so spät erst hinter des Rätsels Lösung kommt. Ich habe ziemlich früh alles in eine Kiste gepackt und den Deckel zugemacht – es machte keinen Sinn all das auszuleben, was ich spannend fand. Philosophie, Denken in komplexen Zusammenhängen, Kommunikation, Emotionen... und damit auch die Tränen. Es verstand nie jemand, warum ich denn weinte. Unverständnis weit und breit. Und ich verstand nicht, warum mich keiner versteht.

    Nur der innere Glaube an mich selbst, der wollte nie in diese Kiste. Und täglich hat er sich zu Wort gemeldet und Rebellion betrieben. Dies ist dann wohl mein lachendes Auge.

    Wahrscheinlich darf man nicht zurück schauen, sondern nur nach vorne – jetzt, wo endlich wieder eine Zukunft da ist. Und endlich darf wieder ausgepackt werden und nicht nur wemm Weihnachten ist.

    floh

    AntwortenLöschen
  6. Lieber spät als nie................ wird langsam zu meinen Statement ;-)aber ich kann nur als ICH sprechen und so über meine Erfahrungen berichten, meine Gefühle... vielleicht ein Impuls...?

    Trauer ....Wehmut ... habe ich mein ganzes Leben empfunden, da ich durch diese Hochbegabung
    ohne fremde Hilfe durchgetaucht bin... vielmehr überleben musste... und meine Begabung ja im Wesentlichen nur von meinen Eltern genutzt wurde um Bestätigung der Aussenwelt zu erhalten... und ich verwechselte die Bewunderung mit Liebe... und meine unersäglichen Bemühungen scheiterten an der Ablehnung meiner Mutter...

    die allerdings auch nicht wirklich wusste was sie tat...war ja selbst auch nur mal ein Kind...
    so kamen andere missgünstigere Gefühle dazu,...

    nun wieder auf die Trauer zurückzukommen... erst als ich begriff, dass ich hochbegabt bin... zumindest in einigen Bereichen... sind es diese Glaubensätze und bei mir kam grade: "der Familie keine Schande machen " ja das ist einer der vielen Sätze die ich als Kind programmiert bekam...

    aber was ist meine Familie ? das können doch nur Seelenverwandte sein, die ähnlich wie ich fühlen und auch das Leben so leben und geniessen wollen... mit allen Sinnen, Stärken und Schwächen zeigen dürfen... zumindest das was als solche empfunden werden... für jeden fühlt sich das ja auch anders an...

    Menschen die mir Liebe in mein Leben bringen... und die ich unaufhörlich geistig umarmen kann, da ihr Denken und Fühlen mir meinen Rücken stärken helfen... und ich lerne Trauer zu transformieren...

    die Wehmut über entgangene Gelegenheiten...?
    dadurch war es befreiend für mich, diese Hochbegabung bewusst zu erkennen,... um endlich auf die gestellte Frage zu antworten...

    und es ist immer nur
    die bedingungslose Liebe....
    die diese Trauer gehen liess
    zumindest bei mir...

    AntwortenLöschen
  7. - Hoch-, bzw. Breitbegabung war für mich nie ein Grund zur Trauer.
    - Ich lese gerne und (wenn ich Zeit dazu finde) relativ viel. Ein Buch über Hochbegabung war bis jetzt nicht dabei.
    - Es gibt auch noch andere interessante Hobbies als sich mit seiner Zugehörigkeit zu irgendeiner 2%-Gruppe zu beschäftigen. Für mich ist mein Bezug zu 30- oder 50%-Gruppen (zu denen ich glücklicherweise auch gehöre) viel wichtiger.
    - Es gibt Momente, in denen ich es geniesse, ein bisschen was auf der Platte zu haben: Die paar "Hirn-PS" mehr helfen mir unter anderem beim Lösen komplizierter Kreuzworträtsel. Oder so. Beim Boule-Spielen (das mache ich genau so gern) nützen sie herzlich wenig. So what?
    - Ich habe zu rein gar nichts eine endgültige und richtige Antwort, mit der ich hausieren gehen könnte oder müsste. Aber ich finde hier und da mal wieder eine neue Frage, mit der ich mich beschäftigen kann. Denn es sind die Fragen, die mich dem Verständnis meiner kleinen Welt etwas näher bringen, nicht die Antworten.
    - Ich wurde, scheint es, von meinen Veranlagungen her, intelligent geboren. Ich werde, um es ein bisschen überspitzt zu sagen, relativ dumm sterben: im Wissen darum, lange nicht all das zu wissen, was ich hätte wissen können, lange nicht das erlebt zu haben, was ich hätte erleben können, lange nicht all das gesehen zu haben, was irgendwo und irgendwann zu sehen gewesen wäre. Und es wird nicht das sein, was mich umbringt. Sondern ein Zerfallsprozess, dem 100% der Menschheit unterliegt. Und das ist kein Grund, traurig oder wütend zu sein.
    - Ich bin nicht unglücklich.

    AntwortenLöschen
  8. Ich habe keine Trauer empfunden, als ich von meiner Hb gehört habe. Ich war erleichtert. Es gab für mich dann auf einmal viele logische Zusammenhänge die ich vorher nicht gewußt und daher auch nicht gesehen habe.

    Da ich mich mein Leben lang immer in dem Moment, mit dem Wissen, was ich da gerade habe, für die Dinge entschieden habe, die ich dann auch umgesetzt habe, gibt es auch nach wie vor nichts daran zu trauern, das ich es erst spät erfahren habe.

    Vielleicht hätte ich anders entschieden, wenn..... klar. Aber das gilt für die meisten Entscheidungen. Da ich aber immer nur das Wissen habe, was ich in dem Moment der Entscheidungen habe, und mich besten Wissens und Gewissens entschieden habe, gab und gibt es halt in dem Moment keine andere Möglichkeit.

    Der Gedanke, "Was wäre wenn,.." ist für mich im Blick auf die Vergangenheit eher lebensfeindlich und destruktiv, daher vermeide ich ihn. Im Blick auf die Zukunft ist der Satz "Was wäre wenn, " lebensfördernd und herausfordernd für mich und in diesem Zusammenhang lasse ich den Gedanken auch den Lauf.

    Auch nach dem Wissen meiner Hochbegabung bin ich erst durch einen Prozeß gegangen, indem ich damit umgehen lernen musste, wie ich mit meiner HB umgehen kann und wo ich mich schützen möchte. Dh. auch nach meinem Wissen gab es Zeiten von Hilflosigkeit und Verzweiflung, das wäre zu einem früheren Zeitpunkt nicht anders gewesen, vermute ich.

    Aus meinem Leben mache ich das was ich gerne machen möchte, dazu musste ich nicht wissen, das ich HB bin. Intensiv und Anders hab ich auch schon vor meiner Feststellung als HB gelebt. Da wir in unserer Familie und auch in meinem Umfeld oft über das Phänomen der "Gaben" und "gabenorientiertem Arbeiten" reden, ist für mich die HB einfach eine Gabe die ich hab, dafür haben andere Menschen andere Gaben.

    AntwortenLöschen
  9. Hallo,
    ich finde die Frage nach der Trauer sehr spannend. Ich selbst habe es eher als Erleichterung empfunden, zu verstehen, dass ich ein bisschen anders "ticke". Früher habe ich mehr versucht, mich anzupassen und mein Licht lieber unter den Scheffel gestellt. Jetzt gehe ich selbstbewusster mit meinen Fähigkeiten um. Das nutzt nicht nur mir, sondern auch anderen Menschen.

    Wenn ich ganz ehrlich bin, dann haben meine Eltern nach bestem Wissen und Gewissen versucht, mich zu fördern. Sie konnten nicht wissen, dass ich mich an einer Schule mit noch höherem Leistungsdruck eher weniger als mehr entfalten kann. Meines Erachtens liegt es nicht an HB, sondern insgesamt daran, dass Kinder nicht nach ihren Talenten gefördert werden, sondern nach einem bestimmten Leistungsmuster mit Druck erzogen werden. Das fängt doch jetzt erst nach und nach an, sich zu verbessern. Klar war ich auch mal wütend auf meine Eltern, die Phase macht ja wohl jeder durch, aber mir war auch sehr schnell klar, dass sie es nicht besser wussten und wenn sie es gewusst hätten, sie hätten es auf jedem Fall besser gemacht. Dadurch konnte ich mich sehr schnell darauf konzentrieren, wie ich mit meinen Kindern umgehe. Fördere und vor allem ermutige ich sie??? Vertraue ich ihren Fähigkeiten??? Wie nehme ich sie wahr???

    Und auch ich bin mir darüber bewusst, dass ich nur wahrnehmen kann, was ich wahrnehme, auch ich kann nur mein Bestes tun, ohne zu wissen, ob es wirklich das Beste ist. Also schaue ich nach vorn, lerne jeden Tag dazu!

    Ich glaube, es ist gut, Trauer zu empfinden, aber es ist wichtig, mit viel Kraft aus der Trauer zu gehen und damit dann die Dinge verändern, die veränderungswürdig sind.

    Danke, Frau Piegsda

    AntwortenLöschen
  10. Die Intelligenz ist eben Teil eines jeden Menschen.
    Lange wusste ich nichts von meinem weit überdurchschnittlichen Intellekt. Seit ich nach einem IQ-Test bei einem Psychologen die Gewissheit habe, hat sich vieles in mir verändert. Ich habe lange getrauert, mir abertausende "Was-wäre-wenn-Fragen" gestellt - dieses Recht sollte sich meiner Ansicht nach jeder nach so einer Feststellung einräumen - bin so oft verzweifelt, plötzlich habe ich alles verstanden. Warum ich mir selbst unter allerengsten Freunden meist wie eine Aussätzige vorkam und noch vorkomme, meine Abneigung gegen Alltagsroutine, meine extremen Befindlichkeiten, mein intensives Fühlen, meine skurrilen Einfälle, meine ständigen Gedankensprünge.
    Die Trauer wurde unterbrochen von Phasen, in denen ich fast platzte vor Glück und Befreiung, ich fühlte mich Jahre lang wie in Ketten gelegt und nun war ich frei mit der Erkenntnis, die schön und gleichzeitig schmerzvoll war.

    Sicher ist jeder Mensch zum Glück weit mehr als seine Intelligenz, doch die Art, die Dinge zu sehen und zu erfahren ist ja auch mit dem Intellekt verknüpft. Auch wenn HB allein natürlich noch niemandem zu einem besseren Menschen macht.
    Inzwischen bin ich froh, dass ich es endlich weiß, sehr viel hat sich seitdem verändert, ich fühle mich frei; manchmal blicke ich aber noch etwas wehmütig auf verlorene Jahre zurück. Doch ich vertreibe die trüben Gedanken schnell, denn das Leben ist vor allem eins: eine Achterbahn und lebenswert, mit allen Höhen und Tiefen.
    Ein Zitat hat mich seitdem begleitet:
    "Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden." [Christoph Friedrich Öttinger]

    AntwortenLöschen
  11. Hmm, damals an meiner Grundschule wurde nach der 4.Klasse IQ Tests gemacht. Meiner war der Höchste der ganzen Schule. Ich hatte Probleme im Unterricht habe zum Teil keine Hausaufgaben gemacht, hatte Schwierigkeiten in Mathematik, daraufhin wurde ich zur Hauptschule geschickt.

    Ich fühlte mich dort nicht richtig aufgehoben, gerade in Englisch,Geschichte,Deutsch hatte ich gute Noten,habe mit fünf Englisch gelernt konnte da schon schreiben!!

    War in der Schule sehr faul,habe nie gelernt weil ich dann nur schlechte Noten geschrieben habe.Wollte mein Abitur machen,hat nicht geklappt weil ich in Mathematik nur schlechte Noten geschrieben habe.

    Habe dann eine Ausbildung im medizinischen Bereich gemacht, mein Examen ohne Lernen mit guten Noten geschafft. Jetzt,wo ich fast 30 bin haben mir meine Eltern gesagt das ich einen hohen IQ habe!!war erst ziemlich wütend, weil ich jetzt theoretisch an meinem Doktortitel sitzen könnte,wenn ich sofort aufs Gymnasium gekommen wäre!!jahrelange Quälerei weil mein jetziger Beruf nicht mein Traumberuf ist!! Am liebsten würde ich Bücher übersetzen bzw. Ich wollte immer Sprachen studieren!

    Der schnöde Mammon zwingt Einen dazu etwas Anderes auszuüben obwohl das nicht die Obsession ist!

    AntwortenLöschen