Spät erkannt - Auswirkungen

Viele unentdeckte hochbegabte Menschen lebten ihr Leben bis zur „Entdeckung“ in einem großen Gefühl von Einsamkeit. Sie fühlen sich unverstanden, irgendwie falsch, fremd, - wie von einem anderen Stern. Manchmal sind sie in ihrer Familie krasse Außenseiter, manchmal ist aber auch die ganze Familie vom Außenseitertum geprägt, denn Hochbegabung taucht in vielen Familien gehäuft auf. Wenn sie dann über Generationen hinweg unerkannt und ungefördert bleibt, kann das zu absurd-komischen oder auch traurig-tragischen Familiengeschichten führen.

Wenn ich Erwachsene treffe, die erst spät von ihrer Hochbegabung erfahren haben oder wenn ich das große Glück habe, an diesem Erkenntnisprozess beteiligt zu sein, bin ich oft tief berührt über die tiefe Dankbarkeit, die sichtbare Erleichterung und das Lachen in den wachen Augen. Viele beginnen ihre Lebensgeschichte neu zu erzählen, so, als hätten die geänderten Vorzeichen alles in ein anderes Licht gerückt, als hätten sich ihre Perspektiven vollständig geändert.

Diese neuen Perspektiven ermöglichen eine neue Deutung dessen, was war, oft fällt eine Vergangenheit zusammen wie ein Kartenhaus. Was einmal war, ist nicht mehr stimmig. Die Wirklichkeit ist eine andere geworden.

Die neu entdeckte Tatsache hochbegabt zu sein und das Staunen darüber bewirkt jedoch nicht nur eine Relativierung der Vergangenheit.

Nein, viel wichtiger ist das Gefühl sich „wie am Anfang des Lebens“ zu fühlen. So hat es eine liebe Freundin einmal bezeichnet. Es ist unwichtig, wie alt man ist, das Wissen um eine Hochbegabung kann erdrutschartige Erkenntnisprozesse in Gang setzen. Ein staunendes Aha-Erlebnis nach dem anderen, plötzliche Klarheit und eine neue Sinnhaftigkeit – ermöglichen spät erkannten Hochbegabten oft, einen neuen Platz in ihrem Leben zu finden und einzunehmen.

Kommentare:

  1. Das ist ein wunderschöner Beitrag. Auch ich habe mich bis zur Entdeckung meiner Hochbegabung oft fremd, einsam und traurig gefühlt. Seit ich davon weiß, habe ich mich umfassend informiert und ich kann mir meine Vergangenheit nun erklären. Heute fühle ich mich wohl in meiner Haut und ich kann mich so akzeptieren, wie ich bin.

    AntwortenLöschen
  2. Ich kann mich dem vorherigen Beitrag nur anschließen. Mit hat die Erkenntnis neuen Mut und einen schlagartigen Weg aus einer schweren Lebenskrise geebnet. Fühle mich befreit und authentisch. Ich hoffe nun einen Platz einnehmen zu können, der es mir ermöglicht meine Fähigkeiten und geistigen Ressourcen sinnvoll nutzbar zu machen und zu erweitern.

    AntwortenLöschen
  3. Hab gerade lange gesucht, einen passenden Beitrag zu dem Thema zu finden. Auch ich habe mich 42 Jahre wie ein unglückliches Alien durch das Leben bewegt. Doppelt traurig ist, das meine Hochbegabung schon (oder auch erst) im 14. Lebensjahr entdeckt wurde, aber dann auch noch unter den Tisch gekehrt und ich weiterhin wie ein Aussätziger behandelt wurde. Auch das habe ich mit 42 in der selben Sitzung erfahren. Zumindest hat es meine Vergangenheit für mich verständlicher gemacht. Aber im Moment ist es eine Katastrophe, ich bin im Moment völlig orientierungslos und überlebe eher, statt zu leben...

    AntwortenLöschen
  4. Danke für diese offenen Zeilen. Die Leere und die Orientirungslosigkeit enthalten auch die Chance, alles völlig neu zu denken, zu erleben und zu bewerten. Neues ist denkbar, Neues kann werden und sein. Es ist nie zu spät. Meine älteste Klientin war 70. Nur Mut!
    Herzlichst
    Anne Piegsda

    AntwortenLöschen
  5. hallo,
    ich bin gerade auf für mich typischen (um-)wegen durch's netz auf dieser seite gelandet, habe den kurz-test aus "schlauer schlau" gemacht und lag bei 25 punkten, was wohl ein recht deutliches ergebnis ist. jetzt ahne auch ich (nicht zum ersten mal in meinem leben, ich bin fast 31 jahre alt), dass dies eine erklärung für viele schritte (vor allem die nicht unternommenen) meiner entwicklung sein könnte. ehrlich gesagt, kam ich mir, bei der überlegung, ich sei mehr begabt als andere, immer überheblich vor, deshalb habe ich sie nicht verfolgt. aber nun merke ich, dass ich mich weiter unentschlossen drehe und wende in meinem beruflichen dasein und eigentlich meist unterfordert bin. nur wohin jetzt? für so viele richtungen scheint es zu spät, auf zu vielen wegen der zug schon abgefahren. gibt es foren in städten, in denen man sich mit leuten treffen kann, denen es ähnlich geht, mit denen man gemeinsam initiativen entwickeln kann? wohin kann ich mich in leipzig wenden?
    ich danke sehr herzlich für ihre antwort und wünsche einen guten rutsch ins neue jahr!

    AntwortenLöschen
  6. Leider kenne ich in Leipzig niemanden persönlich.

    Ich empfehle, einfach mal zum Mensastammtisch zu gehen, da kann man auch als Gast vorbei schauen und dann entscheiden, ob die Mitgliedschaft dort Sinn macht. Siehe http://leipzig.mensa.de/

    Liebgruss von
    Anne

    AntwortenLöschen
  7. Ein ganz toller Beitrag. Er spricht mir aus dem Herzen. Ich bin inzwischen fast vierzig Jahre alt und habe vor einigen Monaten mein Testergebnis mitgeteilt bekommen, es war mehr als ein Schock. Es ist nicht mal mehr richtig messbar.
    Wie kann das sein? Die haben sich da grob vertan, das ist nicht möglich.
    Jahre lang fühlte ich mich ausgestoßen, anders, völlig falsch, allein, schrecklich allein, verlassen, auch unter Freunden.
    Die schienen alle immer auf einer Wellenlänge zu sein, nur ich kam da irgendwie nicht ganz mit. Über was redeten sie? Was war es, über das sie sich so echauffierten? Zahllose mir unbegreifliche Zickereien und Machtkämpfchen.
    Ich verstand es nie wirklich.
    Ich suchte die Schuld bei mir, verdrängte dieses Gefühl.
    Zudem hatte ich nicht gerade ideale Startbedingungen, stamme als Einzelkind aus einer zerrütteten Familie. Mein Vater ist alkoholabhängig.
    So versuchte ich mir stets mein Gefühl des Andersseins zu erklären. Nun weiß ich es besser.
    Ich hatte lange Zeit große Schwierigkeiten mit meiner Mutter, ihr dämmert zum Glück nach vielen Diskussionen in Bezug auf sich selbst so manches.
    Es ist noch immer ein langer, langer Weg, doch ich fange an, mein Leben zu genießen, mich nicht mehr ständig an der Norm messen zu wollen. Alles ergibt auf einmal Sinn. Meine Schulprobleme, meine ständig kreisenden widersprüchlichen Gedanken, mein
    sehr nachtragendes Gedächtnis, meine Überempfindlichkeit, meine komischen unterschiedlichen Interessen. Doch ich habe Glück: Mein Partner ist mir eine große Hilfe. Ich wünsche allen die Kraft, sich selbst zu erkennen, anzunehmen und mutig und neugierig den neuen Weg zu beschreiten.

    AntwortenLöschen
  8. Endlich fühlte ich mich verstanden. Von mir. Als ich erkannte, dass HB auch für mich zutrifft. Es war wie eine neue Geburt.
    Erleichterung pur.
    Lieben Dank für diesen Artikel.
    Heiko

    AntwortenLöschen
  9. Ich wünsche mir, so etwas auch mal sagen zu können. Auch in Gesprächen mit meinem Psychologen, der mir schon sehr weitergeholfen hat, fühle ich mich unverstanden, weil ich selbst nicht weiß, was mit mir los ist. Jahrelang habe ich funktioniert, um die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen.Das Zauberwort hieß Anpassung. Gefühlt habe ich mich immer wie ein "nicht dazugehöriger". Starke Selbstzweifel erschweren mir sogar Dinge, die mir eigentlich Spaß machen. immer wieder stoße ich an Grenzen. Meine vielfältigen Interessen teilt keiner, bzw. kann mir niemand folgen. Bisher weiß ich immer noch nicht, was da in mir brodelt. Langeweile als solche zu akzeptieren und die Zeit anders zu nutzen, ist für mich eine unbefriedende Lösung. Ich weiß nicht wie ich aus mienem kognitiven Hamsterrad aussteigen soll. Ich halte mich nicht für besonderes intelligent, eher vielseitig interessiert. Das führt dazu, dass mir niemand folgen kann. Unser Sohn ist hochbegabt und in den letzten Jahren habe ich viele Parallelen zu seinem Leben zu mir entdeckt. Ich würde mich nicht als besonders schlau bezeichnen. Ich fühle mich oft als Hochstapler, wenn ich Arbeitsaufträge annehme, deren Inhalte ich mir selbst beibringen muss. Zufrieden bin ich nie, mit dem, was ich erreiche. Ständig habe ich den Drang etwas neu und besser zu machen und stoße an keine Grenzen. Wie sollte mich jemand verstehen, wenn ich selbst nicht weiß, was in mir vorgeht. Vielleicht gibt es hier einen Konstruktiven Wink mit dem Zaunpfahl. Permanent plagen mich kognitive Dissonanzen. Dabei möchte ich einfach nur ein unbeschwertes und glückliches Leben führen und mal zur Ruhe kommen..Vielleicht hat ja hier jemand eine Idee, wie ich aus meinem Hamsterrad aussteigen kann.
    Auf ein paar Tipps oder Gedanken freue ich mich!
    LG Große
    Anonymus

    AntwortenLöschen
  10. @Anonym 16. Februar 2011, 16.11 Uhr
    Auch ich habe lange Zeit mit ähnlichen Problemen gekämpft. Da Ihr Sohn hochbegabt ist, liegt es nahe, dass Sie es evtl. auch sind, auch wenn sie sich für nicht besonders intelligent halten, was typisch für HB ist.
    Ich hielt mich Jahre lang sogar für dumm, bis ein Test Gegenteiliges zeigte. Pauschallösungen sind schwer zu geben. HB-ler passen eben in keine Schublade, noch weniger als andere.
    Gehen Sie Ihren Interessen nach, probieren Sie einfach Neues aus, füttern Sie Ihren Geist, er braucht das, auch wenn andere Leute das nicht in dem Maße tun. Akzeptieren Sie, dass Sie anders sind, mehr denken, mehr fühlen. Hört sich furchtbar banal an, hat bei mir aber gewirkt im Laufe der Zeit. Die Welt ist glücklicherweise bunt.

    Umgeben Sie sich mit Leuten, die Ihnen gut tun, die, auch wenn sie nicht immer folgen können, Offenheit und Toleranz zeigen. Die nagende Unzufriedenheit, das ständige Hochstaplergefühl kenne ich mehr, als mir lieb ist. Es kann schwer sein, weil "man" einfach anders ist als die Norm, und zudem auch in der Minderheit. Ich kenne auch durchaus das Problem, dass ich an mich selbst extrem hohe(z.T. viel zu hohe) Maßstäbe ansetze und ständig zwischen den Extremen schwanke. Ich habe das inzwischen akzeptiert und weiß, dass ich anderen Menschen nicht unbedingt mit den gleichen hohen Maßstäben begegnen darf, da ich sie hoffnungslos überfordern würde.

    Entschuldigung, meine Worte sollen nicht wie ein Befehl klingen. Ich schreibe hier nur etwas aus meiner eigenen Erfahrung. Der Weg zu sich kann lang sein, ich habe mir erst mal eine Auszeit genommen, nachdem ich von meiner HB erfuhr. Ich denke, in der Reise zum Ich gibt es kein richtig oder falsch, das muss jeder für sich herausfinden.
    Zum Glück hatte ich die Möglichkeit für eine Auszeit.
    Haben Sie Bücher über HB gelesen? Mir hat das sehr geholfen. Doch die Erkenntnis, dass man selbst auch zu den HB gehört, braucht viel Zeit, Zeit zum Verarbeiten.
    Viele Geschehnisse, Empfindungen erscheinen in einem völlig anderen Licht. Es treten auch ganz neue Seiten am Ich zu Tage, die es zu betrachten gilt. Evtl. ist sogar ein Jobwechsel/Branchenwechsel nötig, um zu sich stehen zu können.
    Ich hoffe, ich konnte Ihnen wenigstens ein bisschen helfen.

    AntwortenLöschen
  11. Hallo!

    Vielen Dank für die lieben Worte. Deine Worte sprechen mir aus der Seele. Ich habe sehr lange gebraucht, um zu begreifen und zu akzeptieren, dass unser Sohn hochbegabt ist. Oftmals hatten wir mit großen Vorurteilen zu kämpfen. Heute noch habe ich Momente, wo ich an der Diagnose der Hochbegabung bei unserem Sohn zweifle. Akzeptanz ist ein wichtiges Wort. Akzeptanz ist selten. Niemand kann sich in unseren Sohn hineinversetzen. Oft kämpft er mit Mobbing und reagiert genauso, wie ich mit Anpassung, die dann nicht funktioniert, weil die Art und Weise aus der Sicht der Anderen zu ungeschickt wirkt. Oft haben wir uns gesagt, vielleicht haben wir ihn nur gut gefördert. Wir haben viel und sehr früh vorgelesen und möglichst immer versucht seine Fragen zu beantworten. Auch er fühlt sich oft allein, hat wenig Freunde. Wird er respektiert ist er ein ganz anderes Kind. Als er getestet worden ist, haben wir uns Unterstützung gewünscht. Das Testergebnis lag vor, uns wurde gesagt, "wenn Sie Hilfe benötigen, dann kommen Sie wieder". Wieder fühlten wir uns unverstanden. Oft habe ich das Gefühl ich muss meine Leben, in Form unseres Sohnes ein zweites Mal durchlaufen. Das lässt mich oft verzweifeln. Wenn ich etwas erreicht habe, habe ich mich immer wie ein Hochstapler gefühlt und das Erreichte mit "da habe ich mal wieder Glück gehabt" begründet. Seit geraumer Zeit mache ich eine Verhaltenstherapie. Mit vielen Dingen / Situationen kann ich seit dem besser umgehen (Perfektionismus, Hypersensibilität ...). Doch jetzt bin ich an einem Punkt, wo ich nicht weiter komme. Meine Arbeit macht mir sehr viel Spaß, ich bin als Quereinsteiger in der Berufsschule gelandet, eine Tätigkeit, die ich mir schon immer gewünscht habe. Obwohl mir die Arbeit sehr viel Spaß macht und ich längst nicht alles weiß, langweile ich mich durch die "normalen" ständigen Wiederholungen. Manchmal fühle ich mich wie in einem Gefängnis. Mein Psychologe meint, ich solle die dadurch entstehende Zeit (weiniger Vorbereitung auf den Unterricht, da sich ja alles irgendwie wiederholt) für schöne Dinge nutzen. In der Therapiestunde fühle ich mich sehr wohl, weil wir über viele Dinge sprechen können / viele Themen und Denkanstöße, die nicht mehr zwingend zur Therapie gehören bereden können (Musik, Philosophie, ...). Zum ersten Mal habe ich das Gefühl ich kann mit jemandem über alles. was mich interessiert reden und dazu noch in einer Person. Die Zeit einer Therapie hat nun mal zum Ziel diese irgendwann zu beenden und außer meinem Therapeuten, kenne ich niemanden, der so vielseitig interessiert ist (ist wohl sein Job). Mit anderen Worten, mir fehlt jemand, der meine vielfältigen Interessen teilt und sich mit mir darüber austauscht. Leider ist es im normalen Leben ja oft so, dass oft nur "Small-Talk" geführt wird, was mich unglaublich anstrengt und ich mich dann oft zurückziehe. Ich könnte zufrieden sein, ich habe ine tolle Familie, tolle Kinder, einen tollen Beruf, aber genau diese "nagende Unzufriedenheit", die Sie beschreiben, macht mir zu schaffen. Manchmal fühle ich mich gefangen in einem Körper. (Mein Beitrag ist zu lang, Teil 2 folgt.)

    AntwortenLöschen
  12. Teil 2: Anpassung bedeutet, angekettet zu sein, die Ketten zu sprengen, ist anstrengend und so bleibe ich ständig auf der Suche...einsam sein, ohne allein zu sein, ein Gefühl, das ich oft habe, genauso wie das Gefühl, auf diesem Planeten falsch zu sein.

    Ihre Worte haben mir sehr gut getan, womöglich bin ich doch nicht allein, nach sehr langer Zeit musste ich erst mal weinen und selbst das tat gut.

    Ja, ich halte mich auch nicht für besonders intelligent, letztendlich verstehen die meisten mich ja auch nicht. Das ich hochbegabt sein könnte, glaube ich auch nicht, obwohl ich (wenn ich mir typische Charakteristika anschaue)schon viele Parallelen zu unserem Sohn (HB) feststelle, aber das kann ja auch Zufall sein. DAs Thema in der Therapie anzusprechen, traue ich mich nicht (Hochstapler). Vor dem Ergebnis eines Test hätte ich Angst, egal wie er ausfällen würde. Welche Bücher haben Sie denn gelesen? In welcher Form hat Ihnen das geholfen? Ich wünsche mir, irgendwann mal das Gefühl befreit zu sein und nicht ständig zu funktionieren und an mir zu zweifeln.

    Danke für die vielen aufmunternden Worte, es tut schon gut einfach mal anonym ein paar "Worte" loszuwerden.

    Vielleicht höre ich noch mal von Ihnen? Wann wurde das Leben für Sie wieder bunt?

    Liebe Grüße

    V.

    AntwortenLöschen
  13. (Part 1)
    @V:
    Guten Tag,
    ich fand die Bücher von Andrea Brackmann: „Ganz normal hochbegabt“ und „Jenseits der Norm -"Hochbegabt und hoch sensibel" äußerst hilfreich. Für mich war fast jede Zeile ein Schritt zu mir selbst, als habe die Autorin diese Bücher irgendwie für mich geschrieben. Die Bücher haben mir wirklich die Augen geöffnet. Ich habe fast alles über mich selbst erfahren, so verrückt es zuerst auch klingt.
    Ich bin tief drin auch so ein „hoch sensibles Pflänzle“, auch wenn ich mir das selten anmerken lasse. Da fällt wohl auch unter das Thema „Anpassung“. Ich reagiere sehr sensibel auf laute Geräusche, Knallerei und bin zudem besonders schmerzempfindlich. Das kann manchmal schon hinderlich sein. Vielleicht kennen Sie so etwas Ähnliches ja auch.
    Ebenso war das Buch von Manon García „Sind Sie noch Katze oder schon Hund“ für mich ein
    guter Schubs in die richtige Richtung.

    Ich kam mir mein Leben lang wie ein Alien vor, dachte, mit mir läuft was absolut falsch. Äußerlich war ich meist angepasst. Obwohl ich schon weit vor der Einschulung lesen und schreiben konnte, war eine frühzeitige Einschulung damals undenkbar. Also litt ich stumm vor mich hin, hielt aus. Meine komplexen Gedanken waren nicht gefragt.
    Auf dem Gymnasium war ich nach 3 Jahren stark versetzungsgefährdet, weil ich mich von allem und jedem ablenken ließ und innerlich vor Unlust und Unterforderung fast starb – das weiß ich jetzt, damals dachte, ich sei einfach zu blöd für diese Welt. Keiner merkte was, keiner half mir.
    Ein letzter Rest von Selbstachtung und Stolz hat mich dann irgendwie mein Abitur mit doch guten Noten bestehen lassen. Geholfen hat mir niemand, in meiner Familie waren alle immer viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Ich fühlte mich tief drinnen ständig entsetzlich allein.
    Mein Studium habe ich vor Jahren mit gutem Ergebnis abgeschlossen, mache seit einiger Zeit nebenberuflich ein Fernstudium, weil ich mich ständig weiterbilden will/muss. Ich arbeite auch nicht in meinem ursprünglich erlernten Beruf, das ist mir zu langweilig. Mein Hirn will ständig Input und ich werde leicht ungeduldig – mit mir aber auch mit anderen.
    Manchmal fühle ich mich schon uralt. Ich schätze, das ist so, weil ich viele Dinge einfach intensiver wahrnehme als der Schnitt. Ich kann mich z.. noch an so viele Details aus meiner frühesten Kindheit genau erinnern, sogar an Erlebnisse, weit bevor ich drei Jahre alt wurde, an schöne und nicht so schöne.
    Ich kann Sie gut verstehen, Small Talk empfinde ich auch oft als anstrengend. Sowieso muss ich häufig mein Sprechtempo zügeln und „Denkschritte“ erklären, die ich im Kopf automatisch überspringe. Ganz schön stressig.:-)
    Zum Glück habe ich einen Freund, der genauso schnell denkt und spricht wie ich, das ist ein wahrer Segen.
    Ich find es toll, dass Sie so für Ihren Sohn da sind. HB-Kinder sind niemals einfache pflegeleichte Kids, ich habe 2 davon im näheren Bekanntenkreis. Die wollen ständig Input, Ansprache, schlafen relativ wenig, wollen Neues entdecken, alles machen, sind stark und sensibel zugleich. Das kennen Sie sicher auch.
    Das Leben ist für mich erst richtig bunt geworden, als ich erkannt habe, dass ich HB bin – aber auch nicht sofort. Ich war zuerst schockiert, ungläubig, ja, seitdem sind unzählige Tränen getrocknet.

    ..mein Kommentar ist auch zu lang ;-)

    AntwortenLöschen
  14. Part 2:
    Ich habe gelernt und lerne noch, mich so anzunehmen, wie ich bin, dass für mich eben z.T. andere Sachen gelten als für die meisten meiner Bekannten und Freunde. Dass ich an Silvester und Fastnacht viel Watte in den Ohren brauche, dass ich mehr Ruhephasen benötige als manch anderer, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Dass ich schneller und komplexer denke und mich viele Menschen dadurch oft erst nicht verstehen und ich soz. in „ihrer“ Sprache kommunizieren muss. Dass ich mir über alles ständig Gedanken mache, alles möglich durcheinander denke, es neu miteinander verbinde, dass ich schnell ungeduldig werde und extrem hohe Ansprüche stelle, an Freundschaften, Beziehungen, den Job, an mich, an eigentlich alles, dass ich mir alles sehr zu Herzen nehme.
    Aber HB hat auch schöne Seiten, mehr wahrzunehmen und zu verstehen heißt auch, sich mehr auf die Person des „unpersönlichen“ Erzählers zurückziehen zu können und alles von oben bzw. außen zu betrachten und durch die Abstraktion der Dinge ihnen ihren Schrecken zu nehmen.
    Oft war ich bestürzt, "Wenn ich das alles doch nur früher gewusst hätte" - ja, ich hätte vieles anders gemacht, anders gelebt. Ich schätze, eine Trauerphase muss sein.
    Doch nützt es nichts, ewig trauernd zurückzuschauen, das stiehlt Energie für die Zukunftsgestaltung.
    Ich finde Ausgleich im Lesen von Sachbüchern unterschiedlicher Art, lese aber auch gerne Science Fiction etc. und treibe Sport, um meine Energie loszuwerden. Dadurch ist vieles besser geworden, ich bin jetzt ehrlicher zu mir selbst.
    Selbstzweifel habe ich noch immer, ich denke mal, das gehört vielleicht einfach irgendwie zur HB dazu, dass man sich nie genügt. Eine Lösung habe ich da auch noch nicht gefunden.

    Hat ihr Sohn außerschulisch viele Hobbies? Wurde das Mobbing schon besser?
    Würde mich freuen, wieder von Ihnen zu lesen.

    AntwortenLöschen
  15. Teil 2:

    "Manchmal fühle ich mich uralt" - das habe ich erst gestern zu meinem Mann gesagt. Eine Erklärung habe ich dafür noch nicht ;).

    Ja, HB-Kinder sind manchmal nicht so pflegeleicht, aber sie sind eine Bereicherung für uns. So ähnlich wie sich unsere Kinder (Junge und Mädchen) sind, so unterschiedlich und speziell sind sie auch. Langweilig wird es nie, nur manchmal kostet es sehr viel Kraft...

    Ich glaube, so weit wie Sie bin ich noch nicht. Ich bin noch auf der Suche, wer ich bin...das ich mich an dieser Stelle mit der Thematik auseinandersetzen kann, ist vielleicht ein erster Schritt in die richtige Richtung? Ich glaube nicht wirklich, dass ich HB sein könnte, und vielleicht liegt ja da mein Problem...Akzeptanz, Selbstvertrauen vs. Selbstzweifel und Skepsis...
    Wie haben Sie von Ihrer Hochbegabung erfahren?
    Was ich mit Sicherheit sagen kann, ich hätte nichts anders gemacht, aber vielleicht wäre manches anders gelaufen?!
    Was meinen Sie damit, Sie sind jetzt ehrlicher mit sich selbst?

    Unser Sohn hat viele Hobbies, die wir einschränken mussten, da die Schule viel Zeit in Anspruch nimmt. Er liest unglaublich viel und schaut sehr gerne Sendungen wie Galileo. Beeindruckend ist sein Wissen, dass immer so beiläufig in Gesprächen zum Ausdruck kommt.Nein, das Mobbing hält leider noch an. Unser Ziel ist es momentan, ihm das notwendige SElbstvertrauen zu vermitteln (mithilfe von Psychologen), ohne ihm das Gefühl zu geben, er sei der Alien....ein schwierige Aufgabe, aber es lässt sich ja bekanntlich leichter ein Mensch ändern, als ganz Viele.

    Liebe Grüße und ich hoffe, bis bald

    V.

    AntwortenLöschen
  16. @V:
    Die Erkenntnis in Bezug auf die eigene HB ist unglaublich befreiend, finde ich.
    Erfahren habe ich von meiner HB zuerst mal dadurch, dass ich ständig das Gefühl hatte, da steckt noch viel mehr in mir. Und dass ich mir selbst unter engen Freunden immer ausgeschlossen vorkam, ich Smalltalk generell total ermüdend finde und wie gesagt stark geräusch- und berührungssensitiv bin, mich Jobs sehr schnell anöden, ich im Austausch mit Bekannten und Freunden oft langsam machen muss, und immer das Gefühl hatte, mich versteht eh keiner.
    Dass ich mir bei der Arbeit ständig überfordert und ausgepowert vorkam, ich nun aber weiß, dass ich geistig ständig UNTERfordert war.
    Ich war irgendwie immer anders als der „Rest.“, konnte es mir aber nicht recht erklären.
    Ich spürte nur, so kann es auf keinen Fall weitergehen.

    Auf Ratschlag eines Freundes machte ich einen IQ-Test bei einem Psychologen.
    Bei dem Ergebnis bin ich fast aus den Latschen gekippt.

    Es hat danach wirklich ganz lange gedauert, bis ich das Ergebnis akzeptieren konnte, erst nach der Lektüre von Büchern und Artikeln über HB fing ich an, zu begreifen, dass es eben kein Glück beim Test war, sondern ich eben einfach anders bin.
    Das meine ich mit ehrlicher zu sich sein.
    Ich versuche, mich nicht mehr unbedingt an den Schnitt anzupassen, mache endlich das, auf was ich Lust habe, konzentriere mich auf das, was ich brauche, um zufrieden zu sein, auch wenn es ganz vielseitige, konträre Interessen sind.
    Ich versuche auch z.B., mir mehr Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen, um das Gesehene, Gefühlte und Erlebte zu verarbeiten, auch wenn mich manch Außenstehender deshalb stirnrunzelnd anguckt.
    Man kann es eben nicht jedem Recht machen.
    Ich verstecke mein Selbst nicht mehr in dem Maße wie zuvor. Vor der Erkenntnis tat ich das, ohne dass es mir richtig bewusst war.
    Besucht Ihr Sohn denn eine „normale staatliche“ Schule oder eine auf HB fokussierte?
    Evlt. hilft es Ihrem Sohn ja, wenn Sie sich auch in Bezug auf sich mit der Materie auseinandersetzen? Ist Ihr Mann denn getestet und HB? Entschuldigung, ich bin einfach neugierig.

    Das hab ich wirklich gelernt:
    Es gibt eigentlich nichts Komischeres, als vorzugeben, jemand anders zu sein, als man tatsächlich ist.

    AntwortenLöschen
  17. Hallo,

    wenn ich doch schon so weit wäre, bzw. irgendwann sein würde, ich glaube ich weiß garnicht, ob ich es genau wissen möchte, weil es ja auch nicht sein kann....verworren nicht wahr?!Das Gefühl, dass etwas in mir brodelt habe ich auch, kann es aber nicht definieren, ich weiß nicht, was es ist. Ich fühle mich auch oft "unter Freunden nicht wohl" und habe dann oft das Gefühl, ich bin eine Spaßbremse.Da ich oft eher beobachte und mich zurückziehe, kommt dann auch schon mal ein Spruch "sei doch mal gut drauf". Ich bin eigentlich immer gut gelaunt, nur eben auch ruhiger, und auch ich brauche meine Rückzugsmöglichkeit, wie gerade jetzt. Bis vorhin haben meine wenig schlafenden Kinder permanent geredet und abends sehne ich mich auch mal nach Ruhe, auch wenn ich die Beiden sehr liebe und die Konversation zwischen den Beiden total schön ist. Ich langweile mich leider auch in meiner aktuellen Tätigkeit, ich bin mir sicher, dass ich noch lange nicht alles weiß, und genau das Problem habe ich auch bei meinem Psychologen angesprochen. Die Langeweile einfach mit anderem füllen, ist für mich nicht die Lösung des Problems. Ich hatte dieses Gefühl in den JAhren meiner beruflichen Tätigkeit immer wieder. In meinem alten Unternehmen konnte ich dann Abteilungen wechseln, Niederlassungen wechseln, mich in anderen Aufgabenbereichen einarbeiten usw. Jetzt habe ich meinen Traumjob und überlege ständig, wie ich kreative Veränderungen bewirken kann, dass es nicht immer wieder gleich ist. Wenn ich Schulungen oder Vorträge besuche, geht es mir häufig so, dass ich mich frage, wann der Redner mal auf den Punkt kommt. Alle hören interessiert zu, lässt das den Schluss zu, dass ich nichts verstehe? Oft bin ich nach solchen Schulungen / Seminaren enttäuscht.Ich bin auch eher ein ruhiger Teilnehmer, bilde mir ein die Kollegen reden alle sehr klug und ich halte mich eher für ein kleines Licht. Komischerweise merke ich mir oft Nebensächlichkeiten, die sich niemand sonst merkt, wenn ich dann mal etwas sage, sind die Mentoren oft überrascht, dass ich mir das gemerkt habe.Ja, und trotzdem habe ich auch das Gefühl, dass ich bei der Arbeit überfordert und ausgepowert bin. Bei dir hing das mit der geistigen Unterforderung zusammen? Ist das logisch? na, und irgendwie scheine ich wohl auch etwas speziell gestrickt zu sein, Gott sei Dank habe ich sehr nette Kollegen, bei denen ich mich wohl fühle und die mich meist sehr unterstützen. Leider muss ich mich auch da schon zurückhalten, da ich wohl manchmal zu viel hinterfrage und z. B. zu einer Aufgabe drei Lösungsansätze finde, die je nach Kontext variieren. "Du denkst zu kompliziert", höre ich dann. Ich freue mich über jeden Schüler, der genau nachfragt, besonders Fragen, die ich nicht sofort beantworten kann, fordern mich heraus.
    Momentan lebe ich eher zurückgezogen, meist habe ich keine Lust auf Menschenaufläufe. Nein, mein Mann ist nicht getestet worden. Er ist übrigens auch wie Sie sehr geräusch- und berührungssensitiv. Das, was er anpackt, gelingt ihm. Beruflich ist er zufrieden. Oft sagt er jedoch auch, so wie unserem Sohn, ging es mir früher auch. Er hätte gerne sein Abitur gemacht, wurde aber dahingehend nie unterstützt. Dennoch hat er durch WEiterbildung einen guten Beruf gefunden und viel erreicht. Nein, Sie sind nicht neugierig, ich bin ja froh, wenn ich mal Fragen beantworten kann. Und ja ich gebe Ihnen recht, es wirkt nichts komischer, wenn man versucht sich anzupassen und es passt eigentlich garnicht.






    Ich spürte nur, so kann es auf keinen Fall weitergehen.

    AntwortenLöschen
  18. Hallo,

    irgendwie hat das mit Teil 1 nicht geklappt, also versuche ich er erneut! Die Bücher von A. Brackmann habe ich gelesen und es ist tatsächlich so, dass ich mich so fühle, als schreibe sie zum Teil über mich...aber sind Horoskope nicht so verfasst, dass sie letztendlich auf jeden zutreffen können?!
    Wie Sie merken, ist meine Akzeptanz zu mir noch nicht so groß. Die Gerüuschempfindlichkeit kenne ich sehr gut. Ich habe allerdings mittlerweile gelernt, Geräusche auszublenden, was mir auch meistens gelingt.
    Ich habe gerade die Vorschau "Sind Sie noch Katze oder schon Hund" gelesen. NIcht nur der Titel klingt sehr interessant, auch die verfügbaren Buchseiten lassen sich gut lesen.
    Nimmt das Aliengefühl irgendwann ab? Noch immer glaube ich nicht, dass HB auch mich betreffen könnte. Ich habe das Gefühl ich würde mich auf zu dünnes Eis begeben und verstehe nocht nicht, was das Wissen darum verändern kann. Was hat sich bei Ihnen dadurch verändert?
    Ich habe auch mal ein Fernstudium versucht. Letztendlich habe ich dann aufgegeben, da ich aufgrund meiner Wochenarbeitszeit (50-60 Stunden) die Zeit nicht aufbringen konnte. Darüber hinaus konnte ich mich zwischen der Fachrichtung Psychologie, Rechtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften nicht entscheiden. Dazu kamen dann noch die Brückenkurse (Mathe, Französisch, Englisch). War wohl alles ein bißchen viel. Aber es hat mich eben alles interessiert...

    Situationen, wo ich vorauseilend denke kenne ich auch, manchmal stehe ich mir dadurch sehr im Weg. Wenn ich im Unterricht zwei Aufgaben gleichzeitig im Kopf habe, wird es manchmal etwas chaotisch...

    Ohne Plan C, B und D gehe ich nicht zur Arbeit. Deshalb reise ich zur Belustigung meiner Kollegen mit einer großen Tasche an. Bei der Vorbereitung auf den Unterricht verzettel ich mich oft, da ich z. B. auf der Suche Begrifferläuterungen mindestens auf drei weitere interessante Aspekte stoße. Was studieren Sie?
    Nochmals liebe Grüße

    V.

    AntwortenLöschen
  19. Ich bins nochmal. Du fragest nach den Hobbies unseres Sohnes: Gitarrespielen, Schwimmen,Lesen (Harry Potter alle Bände in einem Monat), basteln,Fransösich AG, Badminton AG, Kung Fu bis vor kurzem, Englisch bis vor einem Jahr...). Ich selbst spiele ebenfalls Gitarre, habe lange Zeit Violine gespielt, autodidaktisch Klavier und ich bin mir sicher weitere Instrumente werden folgen.Ich lese sehr viel, Krimis, Psychologische Bücher, Philosophische Bücher und alles, was mich darüber auch fachlich interessiert. Ein Pensum, was ich aus zeitlichen Gründen kaum schaffe. Ich stoße da kaum an Grenzen, lediglich manchmal habe ich Phasen in denen ich sehr erschöpft bin und dann manchmal ein wenig zur Ruhe komme.
    Ich freue mich auf weitere Infos von dir (ich bin neugierig im Sinne von Interesse (ich habe mich letztens gefragt, was Neugier ist. Damit beschäftige ich mich dann auch.
    Liebe Grüße
    V.

    AntwortenLöschen
  20. @V.:
    Hallo zurück,

    Dein Gefühl bei Seminaren, Univorlesungen u.ä. kenne ich.
    Es war eigentlich immer so, dass ich ständig auf „die“ Erleuchtung bei den Kursen, Lesungen wartete, die Erkenntnis, bei der sich mir alles offenbarte. Sie kam nie. Kaum war ein Punkt, der mich wirklich interessierte, vom Dozent angesprochen worden, ging man nach ein paar Minuten schon zum nächsten über. Mir fehlte da stets der Tiefgang, alles war für mich zu oberflächlich. Früher dachte ich, mit mir kann was nicht in Ordnung sein, weil alle meine Kommilitonen ganz Auge und Ohr waren. Aber heute weiß ich, dass mein Gehirn die Sachverhalte ganzheitlich, tiefgehender, genauer und komplexer wissen und verstehen will. Ich verschaffe mir jetzt Zusatzinput durch ausgiebige eigene Recherche.
    Ich habe vor etlichen Jahren mein sprachwissenschaftliches Studium abgeschlossen und mache momentan nebenberuflich eine freiwillige Weiterbildung im Managementbereich. Da ich inzwischen seit geraumer Zeit Personalverantwortung habe, kann das sicher nicht schaden :-)
    Ich hatte zuvor schon verschiedene Jobs, bei keinem habe ich es länger als eineinhalb Jahre ausgehalten, obwohl die Stellen mehr mit Marketing und Management als mit Sprachen (also meinem Erststudium) zu tun hatten. Ich langweilte mich dennoch meist furchtbar.
    Mein jetziger Job ist sehr vielseitig, zeitintensiv und anstrengend, dennoch genüge ich meinen Ansprüchen irgendwie nie.

    Ich würde die Bücher von Frau Brackmann jetzt nicht unbedingt mit Horoskopen vergleichen. Da beschreiben erkannte Hochbegabte einfach ihre ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten, natürlich durch die Feder von Frau Brackmann. Die Geschichten sind nicht frei erfunden, die Autorin betont Typisches, weist auf Anzeichen von HB hin.
    Vielleicht erkennst Du Dich in diesen Büchern eben teilweise wieder, wie Du geschrieben hast, und gerade das macht Dir etwas Angst? Ich hatte auch Angst, zu erkennen, mir eingestehen zu müssen, dass ich auch „betroffen“ bin.
    Ich denke, man würde z.B. die Bücher von Stephen Hawking jetzt auch nicht unbedingt mit Science-Fiction-Comics vergleichen können, nur weil noch niemand mit einem Raumschiff an einem intergalaktischen Schwarzen Loch vorbeiflog ;-). Das eine ist Physik, das andere recht nette, wenn auch eher anspruchslose Unterhaltung. Hoffentlich hinkt der Vergleich nicht zu sehr ;-)
    Bein Lesen haben es mir ganz besonders die Naturwissenschaften angetan. Mir wird bei der Lektüre nur ständig bewusst, wie viel ich nicht weiß, je mehr ich lese, desto weniger weiß ich, so scheint es mir oft ;-) Das macht mich manchmal ganz irre, die Vorstellung, dass ich zu einem Thema nie alles wissen werde.
    Ich spiele Gitarre und Klavier, widme mich, wenn ich mal Zeit hab (hüstel), der Acrylmalerei, bringe mir zu meinen drei von mir studierten Fremdsprachen grade Französisch bei, reise sehr gerne.

    Es ist so, dass Überforderung (in Schule, Beruf...) häufig ähnliche Symptome aufweist wie eine Unterforderung: Abschalten, Tagträumen, Langeweile, motorische Unruhe, körperliche Schmerzen, Krankheiten, Aggression, generelle Unlust etc. bis hin zu Depressionen.
    Ich kannte die meisten dieser Symptome früher nur zu gut.

    Ob das Aliengefühl irgendwann weniger wird? Ich sag mal so, die Sichtweise auf mein ganzes Leben, auf meine Erfahrungen hat sich durch das Erkennen der HB geändert. Ich sehe viele Dinge jetzt anders, entspannter. Aber wie bereits erwähnt, das hat viiiiel Zeit gebraucht. Soll heißen, als Alien fühl ich mich immer noch, aber ich habe das akzeptiert und bin inzwischen sogar froh darüber. Getreu dem Motto: „…und die Welt wird kunter, und dank HB noch bunter“ ;-)

    Muss dazusagen, mein Ehemann ist auch hochbegabt und ebenso getestet. Er wusste das aber schon viel früher als ich (seit seiner Kindheit) und geht und ging damit weitaus besser um als ich.
    Er ist da einfach um Längen cooler, sozusagen.
    Hast Du denn vor, Dein Studium wiederaufzunehmen? Oder sogar mehrere?

    Herzliche Grüße

    AntwortenLöschen
  21. Hallo,

    allein das Gefühl, dass mich jemand versteht, tut schon gut. Das es dir in vielen Situationen ähnnlich geht, ist gut zu wissen, dann liege ich möglicherweise doch nicht so falsch. Mir geht es auch immer so, dass ich das Gefühl habe, je mehr ich lese, umso weniger zu wissen. Je mehr Antworten, umso mehr Fragen.

    Spielst du schon lange Gitarre? Ich habe vor drei Jahren angefangen klassische Gitarre zu lernen, nachdem ich, ich glaube ich habs schon geschrieben, vor vielen JAhren viele Jahre Violine gespielt habe. Mein Traum war es eigentlich immer Klavierunterricht zu nehmen. Ich habe mir ein bißchen Grundlagenspielen autodidaktisch angeeignet, bin musikalisch aber nie sehr gefördert worden.

    Ich würde gerne wieder studieren, doch noch fehlt mir die Zeit, da ich mit meinen Kindern, meinem Job und dem Haushalt sehr ausgelastet bin. Wahrscheinlich könnte ich mich auch wieder nicht entscheiden;). So begnüge ich mich damit viel zu lesen und das wirft natürlich auch immer wieder neue und viele Fragen auf.

    Dass ich von HB betroffen sein könnte, kann ich immer noch nicht begreifen, aber vielleicht ist die Beschäftigung damit, vor dem Hintergrund, dass wahrscheinlich unsere beiden Kinder davon betroffen sind, schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Mein Mann weist auch viele Züge von HB auf, ist aber genau wie dein Mann cooler und Gott sei Dank im Moment auch zufrieden.

    Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht wie ich jetzt weiter vorgehen soll. Ist eben immer noch ein ziemliches Tabuthema und unangenehm ist es mir auch, die Möglichkeit zum Bsp. mit meinem Therapeuten anzusprechen. Was würde er denken? Wie soll ich von meinen Gedanken berichten, ohne dass er denkt, dass ich jetzt total verrückt bin. Es ist schwierig über etwas zu reden, was ich selbst nicht begreife und nicht glaube.

    Viele Situationen / Gefühle würden sich dadurch wahrscheinlich erklären, aber so weit bin ich eben noch nicht. Deshalb bin ich sehr froh über den Kontakt zu dir.

    Langeweile, innere Unruhe, körperliche Schmerzen, Krankheiten, Aggressionen (eher nach innen gerichtet, weil mich mal wieder jemand nicht versteht), generelle Unlust und depressive Verstimmungen kenne ich gut. Es gibt Tage, da bin ich einfach nur verzweifelt und weiß eigentlich nicht warum. Ich kann dann meine Zeit nicht effektiv nutzen und laufe innerhalb unserer vier Wände rastlos herum (motorische Unruhe?). Ich hätte so gerne eine Erklärung dafür, möglicherweise würden meine SElbstwzeifel dann weniger und mein Selbstwertgefühl besser. Manchmal habe ich das Gefühl, ich schauer in den Spiegel und erkenne mich nicht wirklich.

    Mir fällt es sehr schwer mit meinen Kindern zu spielen, weil ich beim Legospielen die Steine anfange zu sortieren, beim Holzeisenbahn aufbauen, versuche möglichst alle Schienen zu verbauen, beim Playmobilspielen versuche alles thematisch richtig aufzubauen, verrückt nicht wahr? Ich steh mir selbst im Weg.

    Welche Sprachen sprichst du denn noch? Ich habe lange überlegt und überlege noch, ob ich irgendwann mal Kurse in Spanisch, NIederländisch und Italienisch belege...aber die Zeit...in Schule hatte ich Französisch-LK und es lohnt sich diese Sprache zu lernen!

    Momentan warte ich einfach darauf, dass der Knoten platzt und ich mich verstehe, wieder anfange Spaß am Leben zu haben und nicht einfach zu funktionieren.

    Danke für deine hilfreichen Worte, ich hoffe, ich höre noch mehr davon!

    Liebe Grüße aus dem verschneiten Münsterland!!!

    AntwortenLöschen
  22. Wieder ein Hallo,
    (und auch mal wieder zu lang, daher Teil 1)
    das mit den Legosteinen find ich ja witzig. Als kleiner Stöpsel hab ich mit meinen Legosteinen (vom Flohmarkt) immer andere Dinge bauen wollen, als auf der Verpackung abgebildet oder in der Anleitung angegeben. Das bloße Nachbauen war mir zu unkreativ und langweilig.
    Ich wollte zudem immer alles ganz perfekt und symmetrisch machen und hab mir z.B. bei Legoraumschiffen überlegt, was man tun müsste (technisch), dass sie tatsächlich fliegen.
    Für solche „Fantastereien“ hatte in meiner Familie aber niemand einen Nerv.
    Noch immer ertappe ich mich dabei, wie ich, wenn ich mal beim Arzt warte und nur langweilige Heftchen daliegen, anfange, alles Mögliche zu zählen.
    Das geht dann so weit, dass ich die Kringel auf der Tapete u.ä. auch auf unterschiedliche Arten und Weisen zusammenaddiere oder mir bei geometrischen Formen überlege, wie man da jetzt am besten das Volumen berechnet. Bitte nicht lachen, das ist wirklich so. Ich schätze, mein Geist will einfach was zu tun haben. Im Sinne von „Entertain your brain“ ;-)
    Das hab ich schon als ganz kleines Kind gemacht, alles Erdenkliche gezählt, von den Tellern in der Küche bis zu den Regentropfen am Fenster.
    Auch hat mich schon in den ersten zwei Lebensjahren interessiert, wie denn eine Spülmaschine oder Waschmaschine eigentlich funktioniert.
    Ich hatte diese Erinnerungen Jahre lang verdrängt, bevor ich von meiner HB wusste, hab ich mich sogar dafür geschämt, weil ich dachte, das sei nicht normal, ich sei irgendwie „krank“ im Kopf. Vermutlich wurde mir das von außen bewusst wie unbewusst vermittelt, dass so was eben nicht ganz normal ist.

    Ich spreche Englisch, Spanisch und Italienisch, hatte in der Schule Latein als Leistungskurs, daher kann ich kein Französisch – jedenfalls noch nicht gut. Man konnte bei mir auf der Schule entweder Englisch und Latein oder Englisch und Französisch nehmen, drei oder mehr Sprachen waren leider nicht möglich.
    Ich war übrigens heilfroh, die Schule endlich hinter mich gebracht zu haben – ging es Dir auch so ? - ich hab viele Kreuze gemacht, als ich mein Abi in der Tasche hatte. In der Uni war es z.T. zwar auch äußerst langweilig, aber man hat da einfach mehr Freiheiten und kann eine öde Vorlesung auch mal
    getrost schwänzen ;-).
    Nebenbei: Ich bin ein kleiner Adrenalin-Junkie, ein wahrer Achterbahnfan und mag schnelle Autos. Ich denke, ich will da immer an meine Grenzen kommen.
    Gitarre habe ich als Kind gelernt, dann viele Jahre gespielt (klassisch), hatte das aber dann lange Zeit komplett an den Nagel gehängt. Klavier hab ich mir größtenteils selbst beigebracht im Alter von etwa zehn Jahren und viele verschiedene Stücke gespielt. Weil ich aber seit langem extrem viel beruflich arbeite
    (auch an den WE)
    und ich die wenige Zeit, die mir bleibt, auch gerne mit meinem Mann und /oder Freunden verbringe oder einen Tanzkurs besuche, ins Fitness gehe oder auch mal ganz gerne meine Ruhe habe und lese bzw. fernsehe, fehlt mir da momentan auch einfach die Zeit für.

    AntwortenLöschen
  23. ...und hier Teil 2:
    Während meiner Kindheit hätte ich gerne noch viele andere Instrumente gelernt z.B. Saxophon, Schlagzeug, Klarinette oder auch Violine, am besten alles gleichzeitig, aber dafür fehlte meinen Eltern einfach das Geld.
    Heute ist es so, dass ich mich auch gar nicht entscheiden könnte, wie so oft bei mir, weil ich am liebsten alles machen würde. Meine To-do Liste ist ellenlang :-). Kennst Du so was auch bei Dir? Bestimmt.

    Sind Deine Kinder denn beide getestet?
    Hat Deine Tochter auch Probleme in der Schule (Mobbing) oder geht es bei ihr?
    Wie alt sind denn die zwei?
    Mein Mann und ich haben (noch) keine Kinder. Ich muss mich da, glaube ich, auf was gefasst machen, da es wahrscheinlich auch so kommen wird, dass die Bagage HB wird (oder jedenfalls eines davon), da sie ja dann doppelseitig „vorbelastet“ sind ;-) Mir graut schon vor meinem Schlafmangel ;-). Wenn ich mir die zwei süßen Kleinen unserer Bekannten anschaue, die auch HB sind, dann wird das nix mit auch nur ansatzweise pflegeleichtem Handling. Aber da muss man einfach durch, denke ich ;-)
    Ist Dein Therapeut denn auf HB spezialisiert?

    Beste Grüßle aus dem nasskalten Süddeutschland.

    AntwortenLöschen
  24. Hallo!

    Da es schon spät ist, melde ich mich nur kurz. Das mit dem Zählen kenne ich auch (auch mit einer Deckenvertäfelung kann ich ich beschäftigen). Bei Fliesen versuche ich meist sofort das Verlegemuster herauszufinden, bei Jalousien die Anzahl der Rillen usw. war mir nicht bewusst, bis du das geschrieben hast.

    Meine Perfektion war mit ein Grund für meine Therapie (hohes Anspruchsdenken, Perfektion, geringes Selbstwertgefühl und schlimme Krankheitsfälle in der Familie).

    Unsere Tochter wurde nicht getestet, bis jetzt läuft es ganz gut bei ihr in der Schule. Sie hat auch Glück mit ihrer Lehrerin. Sie verteilt die AB nach Leistungsstand und gewährleistet so meist eine individuelle Förderung. Sie holt die Kinder da ab, wo sie stehen....

    Da ich das Thema noch nie mit meinem Therapeuten besprochen habe, weiß ich das nicht. Fakt ist, dass ich mit ihm über alle Themen reden kann (Gitarrespielen, alle erdenklichen Themen, sein Fachgebiet). Und so jemanden findet man, das dürfte dir auch bekannt sein, selten. Mit den meisten Menschen kann man doch lediglich "Small Talk" führen. Ich melde mich bald mal wieder!!!

    Ja, ich war froh, das ich die Schule hinter mir hatte, da ich mich nie wohl gefühlt habe dort und verstanden hat mich da auch kaum jemand. In der Berufsschule war das anders.

    LG nach Süddeutschland (Schwabenland?)

    AntwortenLöschen
  25. Viiel später zufällig auf dieser Seite, weil als Lehrerin an HB-Förderung interessiert denke ich:

    Wie, es gibt noch andere Aliens, die Tapetenmuster zählen, Dinge äußern, die niemand versteht, lärmempfindlich sind, ständig reizüberflutet, (ich habe auch noch eine lästige Synästhesie), sich schnell verletzt fühlen, unzulänglich, sich in der Schule nur melden, wenn sie etwas nicht verstehen, gemobbt werden, Mehrere Gedanken durcheinander denken, viele verschieden Interessen haben, aber keine passenden Gesprächspartner?!

    Meine größten Probleme als Lehrerin sind möglicherweise, dass ich einfach nicht weiß, wie man lernt, und wie es möglich ist, in Worten zu denken.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Kontakt zu Ihnen fände.

    Oder ist es Hochstapelei, dass ich hier überhaupt schreibe? Mein IQ wurde nie getestet, aber meine Therapeutin rät mir dazu ... soll ich wirklich? Und welchen Test soll ich dann machen?

    GR

    AntwortenLöschen
  26. Hallo @ all,
    wenn ich das alles so lese... "kopfkratz"...
    Mein erstes Buch darüber war auch Andrea Brackmann. Zufallstreffer über den Umweg Borderline. Mich hat`s vom Hocker gehauen: DIE KENNT MICH!!! Und zwar sehr gut!
    Das ist jetzt gute 2 Monate her und ich bin Ü50! Test habe ich bisher nur im Internet gemacht. Mensa online Kurztest (keine genaue Auswertung), Focus online und welt.online. >130. Ich habe mein Leben neu bewertet und kann mich langsam besser annehmen. OK. Aber was ich jetzt mit der 2. Hälfte anfange, weiß ich noch nicht genau. Vielleicht doch nochmal einen Test bei einem Psychologen? Eigentlich unnötig - oder doch nicht? Naja, die "Erkenntnis" ist ja gerade erst 2 Monate alt und ich werde mir wohl noch Zeit lassen müssen.

    GR: Wenn`s Hochstapelei ist, ist`s doch gut! Dann sind wir hier ja unter uns ;-))

    Ich fühle mich auch wie ei Hochstapler. Eigentlich schon immer, weil ich dachte, ich mache es mir zu leicht. Die anderen nehmen`s richtig. So leicht kann das doch alles gar nicht sein...? Naja, wem erzähle ich das? Ihr wisst ja alle, wie sich das anfühlt.
    Jetzt fühle ich mich dazu noch abgehoben und arrogant. Bin ja auch ein Underarchiever. Die Leute packen sich an den Kopf, wenn ICH erzähle, ich sei hochbegabt! Das glaubt mir kein Mensch. Da kommt sicher eher sowas wie: jetzt dreht sie völlig durch!
    Außer meinen engsten Freundinnen und meiner Tochter habe ich das auch noch niemandem erzählt. Meiner Tochter auch nur, weil ich denke, dass sie auch HB ist. Mal sehen, was sie heute als erwachsene daraus macht...

    Erstmal viele Grüße an alle aus dem schönen Münsterland...

    ER

    AntwortenLöschen
  27. Hallo und einen lieben Gruß an alle,

    ich habe alles aufmerksam gelesen und habe mich in vielem, sehr vielem wiedergefunden, auch ein paar tränen sind gelaufen. hab mich noch nie so verstanden gefühlt. ich bin zwar erst 20 und daher wohl kaum "spät erkannt", leider aber auch noch gar nicht erkannt. ich konnte mich bisher einfach noch zu keinem test durchringen, ich scheue das ergebnis einfach zu sehr. denke auch nicht hochbegabt zu sein, allenfalls einige symptome erkenne ich an mir selbst, die man gemeinhin mit hochbegabung in verbindung bringen könnte. mein direkter vorredner schrieb, er fühle sich wie ein Hochstapler. Um Himmels willen ich kenne dieses Gefühl allzu gut, ich mache immer erst den Mund auf wenn irgendwas ganz besonders gut durchdacht ist, mit all seinen Schwierigkeiten, Facetten unter allen Blickwinkeln betrachtet; da das für mich beinahe so gut wie nie der Fall ist, traue ich mir bei den meisten Gesprächen keine Aussage zu, verkrieche mich, bleibe lieber im Abseits, überlasse anderen die Bühne. Es fühlt sich so an, als könnte ich so viel mehr, als schlummert in mir so viel mehr, was einfach nicht herausdarf. ich kette mich an und trau mich nicht mich loszulassen, das ganze zu kappen, los zu rennen, Erfahrungen zu machen, mich auszuprobieren, zu Scheitern, Widersprüchliches auszuhalten.
    Ich fühle mich wie jemand der vorschnell gealtert ist, wie ein alter Mann vor der Zeit. Wie kann es sein, das mich meine Altersgenossen anöden, ihre eintönigen Beschäftigung mir keine Freude bereiten, ich aber gleichzeitig unter möglicherweise Gleichgesinnten auch lieber im verdeckten bleibe ohne mich zu outen. Es ist einfach alles so kompliziert und unverständlich, ich verstehe mich nicht mehr, finde keinen platz für mich, weiß nich was alle anderen von mir wollen, was ich in dieser welt eigentlich zu suchen habe. momentan studiere ich und habe ständig trotz guter leistungen das gefühl mehr zu können, eigentlich schon weiter sein zu müssen, mich mit nebensächlichem zu beschäftigen und ich finde keinen schwerpunkt für mich, weiß nicht auf was ich mich zentrieren soll ob der weg noch der richtig ist.
    jedenfalls tut es gut sich wieder zu finden, in dem was hier geschrieben wurde. Tschuldigung bin aber gerade so durcheinander, dass das ganze einfahc nur ungefiltert aus mir raussprudelt...

    liebe grüße an alle, ich habe das erste mal das gefühl im tiefsten, verstanden zu sein, von irgendwem verstanden zu werden

    AntwortenLöschen