Sie vermuten, dass Ihr Kind hochsensibel ist?


In erster Linie mehr fühlen, mehr riechen und schmecken sowie mehr wahrnehmen. Hochsensible Kinder nehmen oft nicht nur Geräusche und Gerüche ausgeprägter wahr, sondern sie (er)leben eigene und fremde Gefühle intensiver. Laute Umgebungen (Kindergartenalltag oder auch Schule) empfinden sie genauso als Stress, wie auch große Menschenmengen und manchmal sogar jeden Körperkontakt. Durch das Aufnehmen von fremden Gefühlen sind diese oftmals nicht von den eigenen zu unterscheiden.


Hochsensible Kinder brauchen einen gleichmäßigen Tagesablauf, eine vertraute Umgebung und Schutz vor zu vielen neuen Impulsen, um innerlich entspannen zu können. Oft zeigt sich die Hochsensibilität darin, dass sie sehr wissbegierig sind. Sie wollen den Dingen auf den Grund gehen und fragen viel. Mit vorschnellen Antworten geben sie sich nicht zufrieden. Aber manchmal brauchen sie Stunden und Tage, um ihre Wahrnehmungen zu verarbeiten. In ihrer Gedankenverlorenheit erscheinen sie oft als "Träumer". Sie machen sich Sorgen um das Wohlbefinden ihrer Eltern, Freunde und Klassenkameraden. Wenn es ungerecht oder laut zugeht, leiden sie.


Einige entwickeln sogar Lernblockaden. Sie spüren den Schmerz, der durch Ungerechtigkeit verursacht wird. Sie schmieden Pläne, wie sie diese Lage verändern und damit ihren Schmerz vermindern können. Schon laut geführte Gespräche oder eine laute Stimme empfinden manche als Bedrohung. Lautstark ausgetragene Familienkonflikte sind für sie deshalb eine Katastrophe. Einige hochsensible Kinder weinen schnell. Dies ist ihr Ventil für den inneren Schmerz. Wenn die Eltern dieser Kinder nicht für Schutz und Entlastung sorgen, bleibt ihr inneres "Alarmsystem" ständig eingeschaltet. Die Folge: Sie entwickeln mitunter einen tiefen Zorn auf ungerechte Menschen, auf das ihnen ungerecht erscheinende Leben und auch auf Gott, der sich aus ihrer Perspektive anscheinend nicht richtig um seine Geschöpfe kümmert. Nicht wenige entscheiden sich dann, selbst tätig zu werden und die Rolle eines Retters einzunehmen.



In der Teenagerzeit kann der innere Zorn so stark werden, dass sich diese Kinder verschließen und absondern. Sie suchen sich dann eigene Wege, um mit der Not fertig zu werden. Manche flüchten sich in innere Traumwelten. Andere versacken am PC oder suchen nach Verständnis bei Gleichaltrigen. Sie verfolgen damit eine zweifache Strategie: Sie ist für sie beides, Schutz vor und Protest gegen die ungerechte Gesellschaft. Manche erleben auch depressive Phasen. Sie betäuben den inneren Schmerz und die Aussichtslosigkeit ihres Lebens durch Suchtmittel.

Was brauchen hochsensible Personen? Kinder wünschen sich starke Eltern, die sie verstehen und schützen. Einem hochsensiblen Kind muss man beibringen, sich nicht alle Lasten und Nöte zu Eigen zu machen. Eltern sollten solchen Kindern die Grenzen der Verantwortung aufzeigen. Nöte und Lasten können im Gebet bei Gott abgegeben werden. Man sollte darauf achten, dass hochsensible Kinder nicht dauernd überstimuliert werden. Sie brauchen immer wieder Zeit für sich allein, um "runterzukommen". Bei Familienkonflikten sollten diese Kinder darüber informiert werden, dass Erwachsene verantwortlich für die Lösung sind und auch eine Lösung finden werden.

Es ist aber auch unbedingt zu klären, ob Ihr Kind tatsächlich als hochsensibel anzusehen ist. Typischerweise stellt sich diese Frage, wenn Probleme namentlich in der Schule auftreten, die an die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erinnern. Da es sich bei ADHS um eine Krankheit handelt, ist unabdingbar, dass bei entsprechenden Verdachtsmomenten ärztlich untersucht wird, ob in der Tat eine Pathologie vorliegt oder die wahrscheinlichste Erklärung für die Schwierigkeiten des Kindes in einer bisher nicht bekannten Hochsensibilität liegt.

Als grobe Faustregel ließe sich wohl sagen, dass Kinder, die "nur" hochsensibel sind, in einem Umfeld, das ein für sie angenehmes Reizniveau aufweist, sich in ihrem Verhalten kaum von nicht hochsensiblen Kindern unterscheiden. Dennoch ist erneut der dringende Hinweis geboten, dass im Falle des Vorliegens einer Symptomatik, die auch in pathologischem Kontext bekannt ist, ärztliche Beratung zwingend erforderlich ist. 

Hochsensible Kinder brauchen - wie alle Kinder – besonders viel Liebe und Verständnis für ihre Art, zu sein. Vielleicht sind sie etwas langsamer und verträumter, ziehen sich bei Streit zurück und sind gerne mal für sich allein. Die Erwachsenen können hochsensible Kinder unterstützen, in dem sie ihre Besonderheit anerkennen und nicht als überempfindlich oder gar Schwäche bewerten. Eine Unterrichtsform, die freie Entwicklung und Lernen ohne Druck und Zwang zulässt, wäre optimal.

Nicht jeder hochsensible Mensch ist auch hochintelligent, obwohl man auch hierbei von einer Hochbegabung sprechen kann. Allerdings nicht im kognitiven Sinne. Man spricht von einer Hochsensibilität bei ca. 10-15%. Viele hochbegabte Kinder verfügen auch über eine hohe Sensibilität.

Die Anzahl von Informationen zu Hochsensibilität allgemein ist relativ gering; dies gilt in verstärktem Maße für das Thema Hochsensible Kinder. Folgende Angebote sind uns bekannt:

Ein einführender Infotext für Eltern hochsensibler Kinder vom IFHS kann hier heruntergeladen werden: http://www.hochsensibel.org/dokumente/Juniorinfo.pdf

Literatur: 
Aron, Elaine N.: „Das hochsensible Kind“, München 2008
Crawford, Catherine: „Ich fühle was, was du nicht fühlst: hochsensible Kinder verstehen“, 
Mannheim 2010
Leuze, Julie: „Empfindsam erziehen - Tipps für die ersten 10 Lebensjahre des hochsensiblen 
Kindes“, Wien 2010

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