Auswirkungen von Hochsensitivität auf die körperliche und seelische Gesundheit

Neun Fragen speziell für Hochsensible und ihre besonderen Bedürfnisse und Eigenschaften. Anmerkung: Hier handelt es sich um tendenzielle und allgemeine Ergebnisse, die auf viele Hochsensible zutreffen, das heißt nicht, dass es generell für jede hochsensible Person in gleicher Weise zutrifft.

Wie kann sich eine hochsensible Veranlagung allgemein betrachtet auf die körperliche und seelische Gesundheit auswirken?

Hochsensible sind in vielen Bereichen auffällig zarter besaitet und reagieren daher auch stärker auf Einflüsse jeglicher Art. Durch ihr sensibleres Nervensystem werden sie automatisch stärker stimuliert und reagieren dementsprechend auf unterschiedlichste Reize.
Dementsprechend gut ausgebildet ist auch das Frühwarnsystem auf körperlicher und emotionaler Ebene. Unpässlichkeiten und Ungleichgewichte werden daher entsprechend früh an das Bewusstsein weitergeleitet.
Da Hochsensitive in der Regel eine Anlage zum intensiveren und tieferen Verarbeiten aller Eindrücke haben und oft nicht nachgeben, bis sie eine befriedigende Antwort auf eine nicht gelöste Frage gefunden haben, ist dies eine gute Voraussetzung dafür, angemessen auf Unpässlichkeiten zu achten und dies zu nutzen, um angemessen auf seine Gesundheit zu achten. Oft erkennen Hochsensible schon, dass etwas nicht stimmt, noch bevor ein Arzt mit der herkömmlichen Herangehensweise der westlichen Medizin einen Befund erstellen kann.
Auf der anderen Seite kann die Gefahr bestehen, dass man nicht ernst genommen wird und auch die betroffene Person selbst die Symptomatik nicht so ernst nimmt, weil der Arzt die Diagnose anders stellt als es durch das eigene Gefühl vermittelt wird – und das, obwohl man ursprünglich schon in einem sehr frühen Stadium auf die Symptomatik hätte einwirken können. So kann leicht der Eindruck von Hypchondrie oder Einbildung auf beiden Seiten entstehen, wo doch eigentlich alles in Ordnung ist. Wichtig ist es daher für Hochsensitive, achtsam mit sich zu sein und einen einfühlsamen Umgang mit sich selbst zu finden sowie den eigenen Gefühlen in einem gesunden Maße Vertrauen zu schenken.

Reagieren Hochsensitive im Fall einer Krankheit intensiver auf Symptome?

Tendenziell ja, denn hochsensible Menschen haben Einflüssen jeglicher Art häufig weniger Widerstände und Filter entgegenzusetzen als Menschen mit einem weniger empfindsamen Nervenkostüm. Daher können sie anfälliger für Erkrankungen sein, z.B. was Allergien betrifft. Nimmt man diesen Fall, so spüren sie allergische Reaktionen z.B. stärker und intensiver und können so auch stärker davon beeinträchtigt sein.

Wie wirkt sich Hochsensitivität in Bezug auf die Behandlung mit Medikamenten aus?

Viele Hochsensitive reagieren stärker auf Medikamente und deren Inhaltsstoffe. So reichen nicht selten auch geringere Dosierungen als die, die grundsätzlich vom Arzt verabreicht werden. Daher kann es empfehlenswert sein, auf sanftere Medikamente zurückzugreifen. Der oft von Ärzten beschrittene Weg, erst einmal hoch zu dosieren kann für viele Hochempfindliche bereits eine Überdosierung bedeuten.
Viele Hochsensitive sprechen sehr gut auf alternative Heilmethoden wie z.B. Homöopathie, Akupunktur oder Heilkräuteranwendungen an.

Wie reagieren Hochempfindliche auf Stress?

Aufgrund des von Natur aus mitgebrachten sensibleren Nervensystems reagieren Hochsensible ähnlich wie in der schon zuvor beschriebenen Art und Weise auch auf Stresssituationen. Sie haben schneller das Gefühl, überlastet zu sein.
Der daraus resultierende anhaltende innere Spannungszustand kann sich bei Ihnen umso schneller einstellen. Dies ist nicht gut für die Gesundheit, weil bei mehr Stressempfinden auch mehr Cortisol ausgeschüttet wird. Ein erhöhter Cortisolspiegel kann auf Dauer z.B. zu einer erhöhten Infektionsanfälligkeit, Essstörungen, Vergesslichkeit, Bluthochdruck, Knochen- und Knorpelabbau, Schlafstörungen sowie anderen körperlichen Stresssymptomen führen.
Es ist daher für sensible Menschen wichtig, genügend Ruhephasen und Rückzugsmöglichkeiten in den Tagesablauf einzuplanen. Außerdem empfiehlt es sich, viel Wasser zu trinken, da dies für alle Körperfunktionen und auch für Nerven und Stoffwechsel sehr wichtig und angenehm ist.Letztlich sollte sich jeder selbst beobachten und seine Bedürfnisse ernst nehmen, um die eigene Belastbarkeit kennen zu lernen und entsprechend darauf zu reagieren zu können.

Was sollte man als hochsensibler Mensch allgemein in Bezug auf seine körperliche Gesundheit beachten?

Weniger Stress und ein achtsames Auge für die eigenen Bedürfnisse, sowohl körperlich als auch seelisch, führt in der Regel auch zu mehr Gesundheit. Dazu ist eine gute Selbstkenntnis, ein gewisses Know-How in Selbstmanagement und Kreativität bei der Gestaltung des Tagesablaufs notwendig. Für hochempfindliche Menschen gilt dies viel mehr als für Menschen mit normal ausgeprägter Sensibilität. Sie brauchen relativ viel Ruhe, Regelmäßigkeit und eine gewisse Sicherheit in ihrem Leben.
Wichtig sind regelmäßige stressfreie Phasen. Eine gelassene Einstellung den Dingen gegenüber, die z.B. mit Hilfe von Meditation, Hingabe und innerer Disziplin geübt wird ist ebenfalls sehr hilfreich. Für manche ist das sogar absolut notwendig zur Erhaltung der Gesundheit.
Eine ausgeglichene, gesunde Ernährung und die Einschränkung von Reizstoffen wie z.B. Nikotin oder Koffein ist notwendig.
Dadurch, dass körperliche Symptome oft schon früh wahrgenommen werden, erhöht sich die Chance, Krankheiten zu vermeiden oder schon früh zu behandeln. Häufig reichen Mittel, die so schwach sind, dass sie dem Körper keinen Schaden zufügen. Die Besonnenheit und Umsicht, die sich bei zunehmendem Alter bei fast allen HSP zeigen, unterstützt von ihrer ausgeprägten Intuition, können also helfen, gut auf sich zu achten und den eigenen Lebensrhythmus entsprechend zu gestalten.


Wie kann sich eine hohe Sensibilität auf den Bereich der psycho-emotionalen Gesundheit der Betroffenen auswirken?

Da Hochsensible oft vielmehr damit beschäftigt sind, alles um sie herum zu verarbeiten und einzuordnen, weil sie sehr viele Eindrücke aufnehmen, kann dies zu Verhaltensweisen führen, die von Außenstehenden mit einer Hemmung, Neurose, Depression oder Sozialphobie verwechselt werden. Z.B. weil die hochsensible Person wiederholt keine Lust hat, eine Party mit vielen Leuten zu besuchen, deren Eindrücke sie in vielerlei Hinsicht als viel anstrengender und somit auch belastender erlebt als manch anderer - und deshalb wieder mal absagt oder generell ein Mensch ist, der sich gerne zurückzieht und sich nur mit wenigen Menschen trifft. Dies ist ein individuelles Beispiel. Genauso gibt es viele Hochempfindliche, die viele Kontakte haben – die Ausprägung variiert. Grundsätzlich werden aber viele Eindrücke aufgenommen. Hochempfindliche Menschen haben einfach von Natur aus ein hochempfindliches Nervensystem.
Jene, die nicht hochsensibel sind - und das ist immerhin die große Mehrheit – interpretieren Verhaltensweisen von Hochsensiblen in bestimmten Situationen z.B. als depressiv, weil diejenige Person vielleicht sehr nachdenklich, in sich gekehrt und stiller ist. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass mit der Person etwas „nicht stimmt“ sondern es müssen noch andere, wesentlich schwerwiegendere Faktoren einer Erkrankung hinzukommen.


Sind Hochsensible verletzlicher auf psycho-emotionaler Ebene?

Allgemein sind Hochsensible für psycho-emotionale Verletzungen merklich empfänglicher. Dazu kommt, dass viele Menschen, mit denen sie von Kindheit auf an zu tun haben, nicht hochsensibel sind oder die dies verdrängen und die Empfindungen, die für Hochsensible ganz normal sind, schmälern und nicht ernst nehmen.
Da diese Reaktionen regelmäßig wiederkehren, kann dies das Vertrauen Hochsensibler in sich selbst und ihre Wahrnehmung stark einschränken. Da diese Erfahrung von den meisten von Kindesbeinen an gemacht wird und es evtl. gar keine Gesprächspartner bzw. Menschen gibt, von denen sie sich verstanden fühlen, leidet der Selbstwert nicht selten im Stillen.

Was kann eine höhere Verletzlichkeit, bzw. ein daraus resultieren zur Folge haben?

Probleme mit dem Selbstwert treten häufig auf. Aus der Fülle derjenigen Faktoren, die in Frage kommen, lassen sich drei Themenbereiche zusammenfassen.
Die Erfahrung, häufig ins Unrecht gesetzt zu werden. Viele hochsensible Kinder, Jugendliche und Erwachsene denken, dass alle Menschen ähnlich empfinden wie sie, sie schließen von sich auf alle anderen (genauso ist es natürlich andersherum). Hochsensible empfinden sehr stark, sind nicht so stark belastbar, brauchen länger für Entscheidungen - für nicht hochsensible hat das von außen betrachtet häufig andere Gründe. Wenn sie selbst sich ähnlich verhalten, z.B. wenn sie wehleidig sind, werden sie krank oder verfolgen ein verdecktes Ziel, wollen sich vielleicht vor einer Aufgabe drücken – daher werden hochsensiblen Menschen häufig Motivationen wie Überheblichkeit, Faulheit oder andere Charaktermängel unterstellt.
Der kulturelle Idealtypus: Der typische hochsensible Mensch entspricht nicht dem gesellschaftlichen Idealtypus. Menschen, die diesem Ideal näher sind, haben größere soziale Attraktivität, sind begehrtere Spielgefährten oder Gesellschafter. Unsere Kultur verehrt den Sieger und Helden, was auf der alltäglichen Ebene heißt, dass schlagfertige, extrovertierte Menschen mit hoher Konfrontationsbereitschaft und der Fähigkeit, auch im öffentlichen Wettstreit gut abzuschneiden, in einer Gruppe auffällig mehr Zuwendung und positive Aufmerksamkeit erhalten.
Spätestens als Jugendliche merken viele Hochsensitive, das sie viel geringere Belastungen ertragen können als die meisten Menschen. Dass Hochsensitive in Extremsituationen oft weitaus größere Belastungen positiv verarbeiten können, ist den meisten Menschen nicht bewusst, weil extreme Situationen selten sind

Was sollte man als Hochsensibler in Bezug auf seine emotionale Gesundheit beachten?

Zunächst einmal sollte man den eigenen Gefühlen und Grenzen vertrauen und diese ernst nehmen. In Bezug auf das Erhalten der emotionalen Gesundheit sollte man ähnliche wie unter Punkt 5 beschrieben, ein Gespür für sich und seine Bedürfnisse entwickelt und überlegen, was ihm im Alltag gut tut. Treten im Bereich der Bewältigung des Alltäglichen oder auch in Bezug auf die eigene Geschichte Probleme oder Leidensdruck auf, können Gesprächstherapien oder auch ein gezieltes Coaching helfen, mehr Klarheit für sich und die eigene Situation zu finden. So gibt es mittlerweile an manchen Orten sogar Coachings für Hochsensitive.

Mit freundlicher Erlaubnis der Autorin: Manuela Bödeker-Wieners
Quelle: http://www.lebens-zeit.org/blog/beitrag/auswirkungen-von-hochsensitivit%C3%A4t-auf-die-k%C3%B6rperliche-und-seelische-gesundheit

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